Vom Regen in die Traufe
Es war einmal, in den kühlen Tiefen eines klaren Flusses, der voller Freude schäumte, ein kleiner Fisch mit silbernen Schuppen. Während er anmutig unter dem Wasser dahinglitt, genoss er den ganzen Tag die Freiheit und die weiten Wellen. Doch eines Abends kam ein listiger Fischer an das verborgene Ufer des Flusses und ließ seine Angel leise ins Wasser. Vom trügerischen Duft des glänzenden Köders verführt, hing der silberne Fisch in wenigen Sekunden an der Spitze eines scharfen Hakens. Im Schatten der Bäume rauchte ein gieriges Feuer, und über dem Feuer wartete eine heiße, zischende Pfanne auf den Fisch. Der Fischer zog den unglücklichen Fisch ans Ufer und warf ihn ohne Zeit zu verlieren in die Pfanne, deren Öl schäumte.
Von der brennenden Berührung des heißen Öls furchtbar versengt, begann der Fisch in großem Entsetzen zu zappeln. "Diese Hitze ist unerträglich, mein Körper verbrennt schrecklich!" schrie er vor Schmerz. Die engen Ränder der Pfanne erschienen ihm wie ein Gefängnis, und verzweifelt suchte er einen Weg der Rettung. Er schloss die Augen voller Wut, schlug mit aller Kraft mit dem Schwanz und sprang über den Rand der Pfanne nach oben. In dem Augenblick, als er sich in die Luft erhob und glaubte, seine Freiheit wiedergewonnen zu haben, erwachte in seinem Geist der Traum von den kühlen Flüssen. "Ich habe es geschafft, endlich bin ich dieser schrecklichen Pfanne und dem heißen Öl entkommen!" rief er voller Freude.
Doch der Ort, auf den sein hilfloser, vom Wind getragener Körper fallen sollte, war nicht das kühle Wasser, das er erhofft hatte. Der silberne Fisch fiel mitten in die glühend roten Kohlen, die gleich unter der Pfanne brannten. Die zerstörerische Glut des Feuers, die ihn unmittelbar umhüllte, bedeckte seinen Körper mit einem so unbarmherzigen Schmerz, dass er die Pfanne vermisste. Mit seinem letzten Atemzug begriff er, dass dieser unbedachte Fluchtsprung ihn in ein weit größeres Unglück gestürzt hatte. Er erkannte, dass die weniger heiße Pfanne weit erträglicher gewesen war als die Glut, in die er gefallen war. Während er in der unbarmherzigen Hitze der Kohlen zusammenschrumpfte, blickte er mit reuevollen Augen zum Himmel und hauchte hilflos sein Leben aus. Schritte, die in einem Augenblick der Angst unbedacht getan werden, können den Menschen in weit schlimmere Katastrophen stoßen als seine gegenwärtige Not. Vom Regen in die Traufe.