Sokrates und seine Freunde
Es war einmal am Rande eines alten Waldes, wo kühle Wasser flossen, ein weiser Mann. Alle nannten ihn den weisen Sokrates und klopften oft an seine Tür, um von seinem tiefen Wissen zu lernen. Er beschloss, sich zwischen den duftenden Kiefern eine kleine und bescheidene Hütte zu bauen. Tagelang arbeitete er, schliff die Bretter sorgfältig und legte geduldig Stein auf Stein. Als das Dach der Hütte fertig war, war ein winziges und liebes Haus entstanden. Die Dorfbewohner, die die Hütte sahen, begannen sich staunend um sie zu versammeln.
Einer von ihnen lächelte, trat zu dem weisen Mann und fragte ihn neugierig. "O weiser Mann, warum hast du ein so winziges Haus gebaut, wo du doch so großen Ruhm hast?" Ein anderer mischte sich ein und kritisierte, wie eng die Hütte sei. "In diesem schmalen Zimmer können nicht einmal zwei Menschen bequem nebeneinander sitzen!" Die neugierige Menge flüsterte weiter, weil sie meinte, dieses winzige Gebäude passe nicht zu seinem Ansehen. Der weise Sokrates hörte sich die Kritik mit einem ruhigen Lächeln an und schüttelte leicht den Kopf.
Er blickte in die neugierigen Augen ringsum und antwortete mit einer Stimme voller Weisheit. "Hätte ich doch so viele wahre Freunde, dass sie auch nur dieses winzige Haus füllten." Die Dorfbewohner, die diese Worte hörten, versanken in tiefes Schweigen und sahen einander ins Gesicht. Die Menge begriff, wie selten und kostbar ein Schatz die wahre Freundschaft ist. Nicht die Zahl der Menschen, sondern die Aufrichtigkeit des Herzensbandes hatte in ihren Köpfen weite Horizonte geöffnet. Der weise Mann öffnete die Tür seines winzigen Hauses weit und trat in Frieden hinein. Für den Menschen, der im Herzen reich ist, zählen nicht Mengen, sondern wahre Freundschaften. Tausend Freunde sind wenig, ein Feind ist viel.