Ruhe und Arbeit
Es war einmal am Rande eines alten Waldes, wo kühle Wasser flossen, ein begabter Schreiner. Dieser Schreiner war dafür bekannt, vom ersten Licht des Morgens bis Mitternacht ohne Unterlass zu arbeiten. Mit den scharfen Werkzeugen in seinen Händen machte er großartige Holzschnitzereien, doch er hielt nie inne, um sich auszuruhen. Der alte weise Meister des Dorfes aber betrachtete diesen eifrigen Zustand mit Sorge. Der alte Meister wusste sehr gut, dass ein Bogen, den man ständig gespannt hält, bald zerbricht. Eines Tages übernahm der junge Schreiner die Aufgabe, für den königlichen Palast einen prächtigen Thron zu bauen. Voller Aufregung schloss er sich in seiner Werkstatt ein und begann tagelang ohne Schlaf das Holz zu schnitzen.
Je größer die Müdigkeit in seinem Leib wurde, desto trüber wurde sein Geist, und seine Hände begannen leicht zu zittern. In diesem Augenblick trat der weise Meister in die Werkstatt und deutete auf den gespannten Bogen an der Wand. "Wenn du diesen Bogen immer gespannt hältst, wirst du sehen, dass er seine Spannkraft verloren hat, wenn du einen Pfeil schießen willst", sagte der Meister. Der junge Mann schüttelte stolz den Kopf und antwortete: "Ich habe keine Zeit zum Ausruhen, ich muss arbeiten." Doch als die Stunden vergingen, verloren seine müden Hände die Kontrolle und rissen einen tiefen Kratzer in das kostbare Holz. Dass die Arbeit von Tagen in einem einzigen Augenblick zunichte wurde, stürzte den jungen Schreiner in tiefe Verzweiflung. Der weise Meister trat sogleich zu ihm und legte den Beitel in der Hand des Schreiners langsam beiseite.
Er riet ihm, sich unter der Platane im Garten bei einem kühlen Wind auszuruhen. Der junge Mann gab endlich nach, schloss die Augen und fiel in einen tiefen Schlaf. Als er erwachte, war sein Geist klar geworden, und jene harte, zerstörerische Spannung in seinen Muskeln war ganz verschwunden. Mit erneuerter Kraft machte er sich wieder an die Arbeit und verwandelte den Fehler mit einem meisterhaften Griff in ein zierliches Muster. Als er den Thron rechtzeitig fertigstellte und dem König übergab, bewunderten alle die Schönheit dieses Meisterwerks. Der Rhythmus des Lebens kommt daher, dass man ebenso weiß, wann man ruht, wie man weiß, wann man arbeitet. Wer zu viel läuft, wird schnell müde.