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Hermes und die zwei Frauen

Niveau B2 · 341 Wörter

Hermes und die zwei Frauen

Es war einmal ein hübsches Bergdorf, das im Schatten der Olivenbäume glänzte. In diesem Dorf lebten die bescheidene und freundliche Ayla und die hochmütige und reiche Berna nebeneinander. Ayla war eine gütige Frau, die das wenige Brot in ihrer Hand mit allen teilte und deren Herz voller Liebe war. Berna dagegen war eine hochmütige Person, die nur an ihren eigenen Vorteil dachte und mit ihrem prunkvollen Schmuck prahlte. Eines Tages wollte der Gott Hermes die Aufrichtigkeit dieser zwei Frauen prüfen, indem er die Gestalt eines Sterblichen annahm. Hermes klopfte in der Gestalt eines müden Wanderers zuerst an die Tür des prächtigen Hauses von Berna. Als Berna die Tür öffnete und einen staubigen Fremden vor sich sah, verzog sie sofort das Gesicht.

Der Wanderer fragte mit süßer Stimme: „Ich komme von sehr weit her; gebt Ihr mir einen Schluck Wasser und ein wenig Speise?“ Die reiche Frau sagte stolz: „Belästige die Tür einer edlen Person wie mir nicht umsonst!“, und schlug die Tür hart zu. Hermes ging danach zu der bescheidenen Holzhütte von Ayla und klopfte an ihre Tür. Als Ayla den Gast sah, lächelte sie mit großer Höflichkeit und lud ihn herein. Sie stellte den einzigen Laib Brot und die warme Suppe vom Tisch ohne Zögern vor den Fremden. „Mein Tisch ist klein, aber mein Herz ist weit; bitte esst euch satt“, sagte sie und bewirtete ihren Gast aufrichtig. Nachdem Hermes seine Mahlzeit beendet hatte, sprühte er plötzlich ein blendendes Licht und offenbarte seine wahre Gestalt.

Vor diesem herzlichen Verhalten der großzügigen Frau empfand er eine tiefe Zufriedenheit. Er belohnte die bescheidene Hütte von Ayla mit leuchtendem Gold und mit einem reichen Tisch, der nie zu Ende geht. Als die gierige Berna aber dieses wunderbare Ereignis vom Fenster aus sah, stürzte sie voller Reue nach draußen. Doch Hermes wandte sich zu ihr und sagte: „Wahrer Reichtum liegt nicht im Gut, sondern in einem reinen und großzügigen Herzen.“ Während er zusammen mit einem magischen Wind von dort fortging, blieb Berna mit ihrem Hochmut allein. Der wahre Wert der Menschen wird nicht an dem Reichtum gemessen, den sie besitzen, sondern an der Großzügigkeit in ihren Herzen. Was du säst, das wirst du ernten.