Eine Schlange am Busen nähren
Es war einmal, am Rande eines abgelegenen Waldes hinter den verschneiten Bergen, lebte ein liebevoller Holzfäller. Dieser gutherzige Mann empfand ein tiefes Mitleid für jedes Lebewesen in der Natur und eilte den Bedürftigen zu Hilfe. An einem eiskalten Wintertag, an dem der schneeweiße Schnee die Erde bedeckte, schulterte der Holzfäller seine Axt und machte sich auf den Weg in die Tiefen des Waldes. Während er zwischen den vereisten Ästen der Bäume voranschritt, bemerkte er einen gewundenen dunklen Umriss, der regungslos am Fuße der Büsche lag. Als er näher kam, begriff er, dass es eine große Schlange war, die vor Kälte zu erfrieren drohte und deren Atem fast erloschen war. Der Holzfäller, der den Zustand des armen Geschöpfes bemitleidete, hob es behutsam vom Boden auf, ohne auch nur einen Augenblick an die Gefahr zu denken.
"Ich kann dich in diesem eisigen Frost nicht allein dem Tod überlassen", sagte er und legte die Schlange unter seinen dicken Pelz, an seinen Busen. Die Schlange, die durch die Körperwärme des Mannes langsam zu sich kam, begann ihre erstarrten Muskeln zu bewegen. Der Holzfäller lächelte, als er die sanfte Regung an seiner Brust spürte, und machte sich mit dem Frieden, ein Leben gerettet zu haben, auf den Heimweg. Doch die listige Schlange, die mit der Wärme ihre alte Kraft zurückgewann, machte ihre giftigen Zähne mit heimtückischer Absicht bereit. Gerade als der Holzfäller die Tür seiner Hütte öffnen wollte, spürte er plötzlich einen scharfen und brennenden Schmerz in seiner Brust. Die Schlange hatte ihr Gift voller Gier in diesen barmherzigen Mann fließen lassen, der sie ins Leben zurückgeholt hatte.
Der Holzfäller, der von Verwunderung und Schmerz erschüttert war, zog die Schlange unter seiner Jacke hervor und schleuderte sie auf den Schnee. "Ich habe dich aus den kalten Händen des Todes gerettet, wie kannst du mir so etwas Böses antun?", schrie der Mann. Die Schlange sagte mit einem heimtückischen Zischen: "Es liegt in meiner Natur zu vergiften, du hast mich an deinen Busen genommen, obwohl du meine Undankbarkeit kanntest." Während der Holzfäller spürte, wie sich das Gift schnell in seinen Adern ausbreitete, begriff er, dass er das Opfer seiner eigenen reinen Güte geworden war. Bevor er seinen letzten Atemzug tat, erkannte er mit Schmerz, dass das Ende der Barmherzigkeit, die man denen erweist, die das Böse zur Gewohnheit gemacht haben, das Unheil ist. Bösartigen Menschen Barmherzigkeit zu erweisen bedeutet, sich mit den eigenen Händen das eigene Ende zu bereiten. Füttere die Krähe, und sie hackt dir das Auge aus.