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Die zwei Soldaten und der Räuber

Niveau B2 · 343 Wörter

Die zwei Soldaten und der Räuber

An einem heißen Sommertag, an dem die Sonne strahlend leuchtete, machten sich zwei alte Soldaten auf eine lange Reise. Der eine erzählte bei jeder Gelegenheit, wie furchtlos er sei, und bedrohte mit seinem Schwert sogar die Schatten. Der andere ging schweigend seines Weges und hörte den Prahlereien seines Gefährten mit einem Lächeln zu. Als die Reise fortschritt, erreichten sie einen dunklen und unheimlichen Pass, den hohe Kiefern beschatteten. Während der Wind zwischen den Blättern heulte, zog die seltsame Stille ringsum die Aufmerksamkeit der erfahrenen Soldaten auf sich. Plötzlich sprang aus den Büschen ein stattlicher Räuber mit verhülltem Gesicht und einer scharfen Axt in der Hand hervor.

Als der Räuber brüllend auf sie zulief, sprang der Soldat, der sich selbst gelobt hatte, entsetzt zurück. „Du hattest versprochen, mich zu beschützen!“, rief der stille Soldat, doch sein Freund hatte schon zu fliehen begonnen. Der feige Soldat versteckte sich, ohne auch nur zurückzublicken, hinter einem hohen Baum in der Nähe. Der tapfere Soldat, der allein zurückblieb, zog kaltblütig sein Schwert und nahm sofort eine Stellung zur Verteidigung ein. Nachdem er den ersten harten Schlag des Räubers meisterhaft abgewehrt hatte, machte er den Mann mit einer schnellen Bewegung unschädlich. Als die Gefahr ganz vorüber war und der Räuber geflohen war, kam der versteckte Soldat langsam aus seinem Versteck hervor.

Er zog sein Schwert mit großer Wut aus der Scheide und begann zu schreien, als ginge er in die Schlacht. „Ich hätte diesem Banditen seinen Tag gezeigt; er ist nur geflohen, ohne mir eine Gelegenheit zu geben!“, prahlte der Feige. „Wenn du nur neben mir gestanden hättest, hätten wir ihn mit der Kraft von uns beiden ganz vernichtet!“, fügte er tapfer hinzu. Der ruhige Soldat wischte den Staub von seinem Schwert und sah seinen Gefährten mit einem bitteren Lächeln an. „Erzähle deine schönen Worte Menschen, die mich nicht kennen; vielleicht glauben sie dir“, sagte er gelassen. „Denn ich habe mit meinen eigenen Augen gesehen, wie feige du bist und wie du im Augenblick der Gefahr geflohen bist.“ Leere Worte, die in schweren Zeiten gesprochen werden, können den Platz wahren Mutes niemals einnehmen. Der Spiegel des Menschen ist seine Tat, auf sein Wort schaut man nicht.