Die Ziege und der Esel
Es war einmal, auf einem weiten Bauernhof jenseits der saftig grünen Täler, da lebte ein molliger Bauer. Dieser Bauer hatte einen fleißigen Esel und eine Ziege von neidischem Wesen. Von morgens bis abends trug der Esel schwere Lasten, und sein Besitzer bot ihm die frischesten Gräser an. Die Ziege aber saß in ihrer Ecke und beneidete insgeheim mit tiefer Gier die Aufmerksamkeit, die der Esel bekam. Eines Tages schmiedete die Ziege einen hinterlistigen Plan, um dem Esel diese schöne Stellung wegzunehmen. Mit einem unschuldig wirkenden Schritt näherte sich die Ziege dem weidenden Esel und begann mit süßen Worten zu sprechen.
"Mein lieber Freund, dein schweres Arbeitstempo tut mir wirklich sehr leid", sagte sie. In großer Arglosigkeit spitzte der Esel die Ohren und hörte neugierig zu, was die neidische Ziege sagen würde. Mit einem hinterlistigen Lächeln flüsterte die Ziege: "Ich finde, du solltest dich ein wenig in eine Grube fallen lassen und dich verletzt stellen." "So wird unser Besitzer Mitleid mit dir haben und dir köstliches Futter geben, damit du dich tagelang ausruhst." Der arglose Esel, der diesem Einfall glaubte, ließ sich am nächsten Tag hinabfallen, als er einen tiefen Graben überquerte. Doch das arme Tier landete nicht sanft, wie es geplant hatte, sondern schlug sehr hart auf dem Boden auf.
Mit gebrochenem Bein und zerquetschtem Leib begann der Esel vor Schmerz sich krümmend zu schreien. Der erfahrene Arzt, den der Besitzer gerufen hatte, untersuchte den auf seinem Lager liegenden Esel lange und gründlich. Der Arzt schüttelte den Kopf hin und her und sagte: "Es gibt nur ein Mittel, damit dieses Tier gesund wird." "Wenn die Leber einer frischen Ziege gekocht und ihre Brühe dem Esel zu trinken gegeben wird, nur dann kann er wieder auf die Beine kommen." Der Bauer, der seinen Esel sehr liebte, fing ohne zu zögern die neidische Ziege im Hof und opferte sie. Die Ziege, die in die Grube fiel, die sie einem anderen gegraben hatte, bezahlte den Preis ihrer Gier mit ihrem Leben. Wer anderen Böses wünscht, fällt früher oder später in die Falle, die er selbst gestellt hat. Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst zuerst hinein.