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Die Zeit der Gelegenheit

Niveau B2 · 372 Wörter

Die Zeit der Gelegenheit

Es war einmal am Rand eines alten Waldes, wo kühle Wasser flossen, der Schreinerlehrling Eren. Eren schnitzte wunderbare Spielzeuge aus Holz, doch wann immer er ein großes Werk begann, schob er es ständig auf. Der alte Meister des Dorfes erinnerte ihn immer daran, dass er den Wert der Zeit kennen sollte. In den Tiefen des Waldes aber lebte ein geheimnisvoller Vogel der Gelegenheit, der sich nur den Mutigen und Schnellen zeigte. Dieser magische Vogel hatte vorn am Kopf lange silberne Federn und hinten einen glatten kahlen Kopf. An einem heißen Sommertag hörte Eren, dass ein meisterhafter Händler in die Stadt gekommen war und ein wunderbares Spielzeug suchte. Wer dieses besondere Spielzeug machte, das der Händler dem Palast darbieten würde, sollte einen großen Preis gewinnen.

Statt sich sofort ans Werk zu machen, legte sich Eren in den Schatten eines Baumes und sagte: „Es ist noch Zeit, lass mich zuerst ein wenig ausruhen.“ In diesem Augenblick glitt jener einzigartige Vogel der Gelegenheit, der zwischen den Zweigen funkelnde Lichter sprühend flog, plötzlich herab. Der Vogel setzte sich auf einen niedrigen Zweig direkt vor Eren und sprach mit tiefer Stimme. „Wenn du mich fangen willst, musst du gerade jetzt die silbernen Federn vor mir packen“, sagte er. Eren blieb unschlüssig und dachte: „Ich packe sie gleich, du bist ja sowieso hier.“ Der Vogel drehte sich ohne zu warten um und stieg schnell zum Himmel auf. Eren sprang aufgeregt auf und griff hinter dem Vogel her, doch seine Hand berührte den kahlen Kopf und rutschte ab.

Der junge Lehrling, der zu spät kam, fand hinter dem Vogel nicht eine einzige Feder zum Festhalten. Während der Vogel der Gelegenheit mit den silbernen Flügeln schlug und im Blau verschwand, empfand Eren eine große Reue. In jenem Augenblick verstand er durch eine bittere Erfahrung, dass die Zeit und die Möglichkeiten, die vor uns treten, niemals warten. Bevor der Händler die Kleinstadt verließ, lief er in seine Werkstatt, um das halb fertige Spielzeug in seiner Hand zu vollenden. Indem er die ganze Nacht ohne Unterlass arbeitete, schaffte er es, den schönsten Holzvogel seines Lebens zu schnitzen. Am nächsten Morgen brachte er dem Händler das Spielzeug rechtzeitig und gewann dank seines Fleißes den Preis, den er verdiente. Wer ohne Zögern handelt, wenn das Glück an die Tür klopft, erreicht seine Träume. Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist.