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Die Wespe und die Spinne

Niveau C1 · 325 Wörter

Die Wespe und die Spinne

Vor langer Zeit lebte in einem zauberhaften Wald, der sich im Schatten gewaltiger Eichen verbarg, eine geduldige Spinne. Diese meisterhafte Handwerkerin webte gewaltige Netze, Masche für Masche gearbeitet, die zwischen den Blättern wie Silber schimmerten. Am anderen Ende des Waldes aber herrschte eine hochmütige Wespe, die auf ihren spitzen Stachel stolz war und ringsum stets Furcht verbreitete. Während das goldene Licht der Sonne durch die Äste sickerte, traten diese beiden gegensätzlichen Wesen durch eine Laune des Schicksals einander gegenüber. Mit scharfen Flügelschlägen die Luft zerteilend, ließ sich die Wespe nahe der silbernen Behausung der Spinne nieder. "Prahlst du etwa mit diesem Netz, das du aus schwachen Fäden gewoben hast?", donnerte die hochmütige Jägerin.

Die Spinne kniff ruhig die Augen zusammen und antwortete: "Meine Kunst beruht nicht auf Prunk, sondern auf Mühe und Geduld." Über diese Antwort erzürnt, wollte die Wespe ihre Stärke beweisen, indem sie ihren giftigen Stachel stolz schwang. "Mit einem einzigen Stoß kann ich dieses zarte Werk von dir in Stücke reißen!", prahlte sie. Ohne im Geringsten die Fassung zu verlieren, sagte die Spinne: "Wer zu sehr auf seine Kraft vertraut, übersieht oft die Fallen, die mit Verstand gestellt werden." Ihrem Zorn erlegen, verfehlte die Wespe ihr Ziel und stürzte mit großem Getöse geradewegs in die Mitte des Netzes. Doch die Fäden des Netzes waren weit klebriger und äußerst viel haltbarer, als sie aussahen.

Je mehr die Wespe mit den Flügeln schlug, desto fester wickelten sich die Maschen um ihren Leib. Wie sehr die hochmütige Jägerin ihren giftigen Stachel auch voller Gier schwang, jeder vergebliche Stoß machte sie nur noch hilfloser. Die geduldige Spinne schritt ruhig über die Stränge des Netzes und umwickelte die zappelnde Gegnerin rasch mit ihren seidigen Fäden. Die Wespe, die auf die Kraft ihrer Muskeln und auf ihre scharfe Waffe vertraute, unterlag dem Verstand und der Vorbereitung. Mit einem letzten Flügelschlag, der in den Tiefen des Waldes widerhallte, endete das Zappeln der stolzen Wespe vollständig. Leere Drohungen und maßloses Prahlen zergehen stets vor der festen Ordnung, die Verstand und Mühe errichtet haben. Iss einen großen Bissen, aber sprich kein großes Wort.