Die Taube und die Krähe
Vor langer Zeit stand ein hübsches Taubennest in einem duftenden Garten. In diesem warmen Nest fraßen die Tauben jeden Tag leckeren Weizen. Auf einer hohen Eiche aber lebte eine schlaue Krähe. Neidisch beobachtete die Krähe ihr ruhiges und süßes Leben. Auch sie wollte den leckeren Weizen ohne Arbeit fressen. Eines Tages kam ihr ein schlauer Plan in den Sinn. Sie deckte ihre schwarzen Federn ganz mit weißer Farbe zu.
Leise flog sie zum Nest und mischte sich unter die Tauben. Die Tauben hielten sie für eine Taube und teilten ihr Futter. Tagelang fraß die Krähe dieses leckere Futter mit großer Freude. Doch eines Tages vergaß sie sich vor lauter Glück. Plötzlich krächzte sie neben den Tauben ganz laut. Die erstaunten Tauben merkten sofort, dass sie eine Krähe war. Die wütenden Tauben schlugen sie und warfen sie aus dem Nest.
Hungrig kehrte die Krähe zu ihren alten Freunden zurück. Aber die anderen Krähen erkannten den weißen Vogel nicht. Sie hielten sie für fremd und jagten sie aus dem Wald. Die Krähe verlor ihr neues Futter und ihr altes Zuhause. Am Ende blieb sie allein, kalt und hungrig. Wer anders scheinen will, verliert auch seinen eigenen Frieden. Wer alles haben will, verliert am Ende alles.