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Die Schwalbe und die Sperlinge

Niveau C1 · 342 Wörter

Die Schwalbe und die Sperlinge

Vor langer Zeit lebte am Rand einer weiten Ebene, auf der goldgelbe Ähren wogten, eine weise Schwalbe. Diese Schwalbe war ein zarter und kluger Vogel, der die Sprache der Jahreszeiten entschlüsselt und alle Geheimnisse des Himmels gelernt hatte. In den Sträuchern der Ebene aber saßen fröhliche Spatzen, die jeden Tag sorglos zwitscherten und nicht an das Morgen dachten. Mit der frohen Botschaft des Frühlings kam der Bauer auf das Feld und begann, feine Hanfsamen in die Erde zu streuen. Die weise Schwalbe, die sofort begriff, was die Samen bedeuteten, flog in tiefer Sorge zu den Spatzen. Die Schwalbe näherte sich den panisch umherfliegenden Spatzen und begann, die Gefahr im Boden mit großem Ernst zu erklären.

"Dieser gesäte Hanf wird wachsen, und aus seinen Stängeln wird man Netze und Stricke machen, die Vögel fangen", sagte sie. "Ihr müsst sofort die Erde aufscharren und diese Samen fressen und dem Unglück zuvorkommen, solange noch Zeit ist!" Doch die Spatzen kümmerten sich überhaupt nicht um die berechtigte Warnung der Schwalbe, ja sie spotteten sogar über sie. Einer der kleinen Spatzen zwitscherte hochmütig: "Du spielst immer den Unglücksboten, mein Freund." Ein anderer lachte laut und sagte: "Sollen wir Zeit mit dem Sammeln von Samen verlieren, während die Sonne so schön scheint?" Tage jagten Tage; Regen fiel, die Sonne schien, und der grüne Hanf begann emporzuwachsen.

Mit einer letzten Anstrengung warnte die Schwalbe die Spatzen erneut, die Hanftriebe auszureißen. Doch die Spatzen versanken in ihren frischen Vergnügungen und verschlossen wieder die Ohren vor der aufrichtigen Mahnung der Schwalbe. Der Bauer, der aus dem mit der Zeit gewachsenen Hanf feste Netze flocht, stellte heimlich Fallen zwischen den Sträuchern auf. Die fröhlich umherfliegenden Spatzen wurden einer nach dem anderen in den unsichtbaren Fallen gefangen und den Menschen zur Beute. Die Schwalbe aber, die die Gefahr vorhergesehen hatte, entfernte sich vom Wald und rettete ihr Leben, indem sie unter den Dachtraufen der Menschen Zuflucht suchte. Die Spatzen, die den Preis ihrer Unvorsichtigkeit schwer bezahlten, zappelten mit der Reue, den Warnungen nicht rechtzeitig gefolgt zu sein. Wer die Bedrohung nicht früh spürt und keine Vorsorge trifft, ist zur Reue verdammt, wenn das unausweichliche Ende kommt. Binde deinen Esel gut fest und vertraue dann auf Gott.