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Die Schlange im Haus

Niveau C1 · 382 Wörter

Die Schlange im Haus

Es war einmal am Rand eines alten Waldes, in dem kühle Wasser flossen, ein kleines und friedliches Holzhaus. In diesem bescheidenen Haus lebten ein alter Mann und seine Frau, deren Herzen von Liebe erfüllt waren, zusammen mit ihrem kleinen Enkelkind. Unter dem steinernen Herd des Hauses aber lag zusammengerollt eine sanfte Hausschlange, die mit goldgelben Schuppen schimmerte. Die Dorfbewohner glaubten von ganzem Herzen, dass diese Schlange die Fülle und der Beschützer des Hauses sei, und brachten ihr tiefen Respekt entgegen. Jeden Abend stellte die alte Frau eine Schale frischer Milch neben den Herd, und die Schlange nahm diese Gabe voller Freude an. An einem Sommermorgen bemerkte das kleine Kind beim Spielen im Garten seinen glänzenden Freund, der unter dem Herd hervorglitt.

Ganz ohne Furcht streute es die Brotkrümel aus, die es in der Hand hielt, und lächelte die Schlange liebevoll an. Die Schlange spürte die Unschuld des Kindes, näherte sich anmutig und ließ, nachdem sie ihre Milch getrunken hatte, eine funkelnde Goldmünze zurück. Tagelang währte diese schöne Freundschaft, und die Familie gelangte mit jedem Tag zu einem wohlhabenderen Leben. Doch als ein gieriger Nachbar draußen auf dem Feld diesen wundersamen Umstand bemerkte, legte sich eine dunkle Gier über sein Herz. "Wenn ich diese Schlange töte, besitze ich mit einem Schlag den ganzen Goldschatz in ihrem Bauch", dachte er. Um Mitternacht schlich der Nachbar lautlos ins Haus und schleuderte die scharfe Axt in seiner Hand voller Gier gegen den Rand des Herdes.

Doch die wachsame Schlange war schnell und glitt ins Dunkel, und die scharfe Schneide der Axt vermochte nur die Spitze ihres Schwanzes abzutrennen. Zornig zischend biss die Schlange den gierigen Nachbarn, der diesen Verrat begangen hatte, heftig und entfernte sich von dort. Als die Familie am nächsten Morgen sah, dass die Schlange verschwunden war, versank sie in tiefe Trauer, weil sie die Fülle ihres Hauses und ihren Freund verloren hatte. Der gierige Nachbar aber erkannte den Fehler, den er begangen hatte, und wand sich vor Bedauern, doch es war längst zu spät. Mit der Zeit entwich die Fülle des Hauses, und Unruhe legte sich wie ein dunkler Schatten über das ganze Dorf. Die Schlange kehrte nie wieder in jenes Haus zurück und verlor für immer das Vertrauen, das sie zu den Menschen gehegt hatte. Wo die Gier das Auge blendet, endet die Freundschaft und die größte Fülle gleitet durch die Hände. Die Gier kommt und verdunkelt das Auge, die Gier geht und verdunkelt das Gesicht.