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Die Rettung des Dichters

Niveau B2 · 341 Wörter

Die Rettung des Dichters

Es war einmal in einer prächtigen Küstenstadt, wo kühle Wasser flossen, ein begabter Dichter namens Simonides. Dieser Dichter berührte mit seinen einzigartigen Gedichten die Herzen der Menschen und ließ mit göttlichen Melodien die Seelen ruhen. Eines Tages beschloss der reichste und hochmütigste Adlige der Stadt, ein großes Festmahl zu geben. Das Ziel des Adligen war es, eine gewaltige Ode schreiben zu lassen, die seine eigene Pracht lobte. Simonides nahm diese prächtige Einladung an und arbeitete tagelang mit großer Sorgfalt. Als die Nacht des Festmahls kam, stand der Dichter am Kopf einer großen Tafel auf, die in dem mit Gold verzierten Saal gedeckt war.

Er begann sein Gedicht vorzulesen, doch in seinen Versen lobte er nicht nur den Adligen, sondern auch die schützenden Zwillingsgötter des Himmels. Als das Gedicht zu Ende war, brach im Saal ein großer Beifall aus, doch das Gesicht des Gastgebers verfinsterte sich vor Zorn. Der hochmütige Mann sah den Dichter an und sagte: „Du hast die Hälfte deines Gedichts mir und die andere Hälfte den Göttern am Himmel gewidmet.“ Dann fügte er mit einem geringschätzigen Lächeln hinzu: „Ich gebe dir die Hälfte des versprochenen Goldes; den Rest fordere von den Göttern, die du gelobt hast.“ Vor dieser Ungerechtigkeit versank Simonides in ein tiefes Schweigen, gab sich aber ohne Streit mit seinem Anteil zufrieden. Während das Festmahl mit Gelächter weiterging, näherte sich ein Diener von der Tür eilig dem Dichter.

Der Diener sagte: „Draußen warten zwei geheimnisvolle Jünglinge auf weißen Pferden auf Euch, sie wollen Euch unbedingt sehen.“ Simonides stand neugierig auf, verließ den prächtigen Saal und ging zur äußeren Tür. Doch als er vor die Tür trat, fand er in der Dunkelheit der Nacht niemanden. Während der Dichter zu verstehen versuchte, was geschehen war, erhob sich hinter ihm ein schrecklicher Lärm, der die Ohren taub machte. Der Palast des hochmütigen Adligen stürzte auf einmal ein, und der prunkvolle Saal blieb unter Steinhaufen liegen. Die Zwillingsgötter hatten dem Dichter sein Recht bezahlt, indem sie sein Leben retteten, während der hochmütige Adlige seine Strafe gefunden hatte. Wahre Mühe und Bescheidenheit werden immer mit einer göttlichen Gerechtigkeit belohnt. Lade nicht den Fluch des Unterdrückten auf dich; er kommt langsam heraus.