Die Mauer und der Pflock
Vor langer Zeit stand eine hohe Steinmauer am Rande eines alten Waldes, wo kühle Wasser flossen. Jahrelang beschützte diese starke Mauer die bunten Blumen und süßen Obstbäume im Garten vor dem Wind. Jeden Morgen wärmte die Sonne ihre grauen Steine liebevoll, und Vögel setzten sich darauf, um fröhliche Lieder zu singen. Die schöne Mauer war sehr zufrieden mit ihrem glücklichen Leben und den friedlichen Tagen im Garten.
An einem heißen Sommertag kam ein meisterhafter Zimmermann mit strengem Blick in den Garten. Der Mann setzte den spitzen Holzpflock in seiner Hand auf die Mitte der Mauer und begann, mit einem schweren Hammer darauf zu schlagen. Bei jedem Schlag verletzte der spitze Pflock die Steine der Mauer schmerzhaft und drang tiefer ein.
In großen Schmerzen rief die weinende Mauer dem harten Pflock traurig zu. „Warum tust du mir solches Übel an und zerbrichst meinen Körper so grausam?“, sagte sie. Der spitze Pflock senkte seinen Kopf und seufzte, als er den Zustand der Mauer sah. Mit trauriger Stimme antwortete der Pflock: „Ich will dir keinen Schaden zufügen, mein kleiner Freund.“ „Beschuldige nicht mich, denn du siehst nicht den Mann, der hinter mir steht und mich mit dem Hammer schlägt.“ „Die eigentliche Kraft, die mich in dich treibt, ist jener schwere Hammer hinter mir.“
Da verstand die Mauer, dass derjenige, der Schaden tut, manchmal nur ein Werkzeug ist. Der wahre Täter ist immer die Person, die sich dahinter verbirgt und den Befehl gibt. Man sollte auf die Hand blicken, die die Zange hält, und nicht auf die Zange selbst. Wer den Esel nicht schlagen kann, schlägt den Sattel.