Alle Geschichten

Die Läuse und der Bauer

Niveau B2 · 359 Wörter

Die Läuse und der Bauer

Es war einmal in einem friedlichen Dorf, wo sich goldene Felder erstreckten, ein müder Bauer. Dieser Mann ging mit dem ersten Licht des Morgens auf sein Feld und versuchte bis zum Abend, sein Brot durch Hacken der Erde zu verdienen. An einem heißen Sommertag wischte er sich die Schweißtropfen von der Stirn und zog sich in den Schatten einer riesigen Eiche zurück, um zu ruhen. Während die Kühle des Schattens seine Augen ausruhen ließ, begann ein seltsames Jucken am Körper seine Ruhe völlig zu stören. Die winzigen Läuse, die sich in den Falten seiner Kleider versteckten, bissen den müden Körper des Mannes ohne Erbarmen weiter. Der Bauer hielt es nicht länger aus, zog rasch sein altes Hemd aus und begann, die Quelle des Juckens zu suchen. Als er genau hinsah, fing er sofort eine kleine Laus, die über den Stoff lief.

Er hielt die Laus fest zwischen zwei Fingern und beschloss, sie zu zerdrücken. In genau diesem Augenblick begann die winzige Laus, die um ihr Leben zappelte, mit ganz dünner Stimme zu sprechen. "Bitte töte mich nicht, o Mensch, ich bin doch nur ein winziges Geschöpf!", flehte sie. "Wie viel Schaden kann ich dir schon zufügen? Ein Tropfen Blut aus deinem Körper macht dich nicht arm", sagte sie. Der Bauer sah dieses kleine Wesen zwischen seinen Fingern zornig an und holte tief Luft. "Deine Größe mag klein sein, aber das Unbehagen und der Schmerz, die du bereitest, sind ziemlich groß", erwiderte er. Die Laus sprach mit einer letzten Hoffnung zu leben noch einmal und bat weiter um Gnade.

Der entschlossene Bauer ließ sich von diesen geschmückten und irreführenden Worten der Laus niemals täuschen. "Wenn ich dich verschone, wirst du mich weiter stören und dich außerdem vermehren und meine Arbeit ruinieren", sagte er. Der Bauer, der sehr wohl wusste, dass klein scheinende Schäden mit der Zeit zu großen Katastrophen werden, zögerte kein bisschen. Er drückte die Finger fest zusammen und vernichtete die lästige Laus auf der Stelle. Dann schüttelte er sein Hemd aus und säuberte es, atmete ruhig durch und kehrte an seine Arbeit zurück. Übel, die man übergeht, weil sie klein scheinen, können mit der Zeit den Frieden und die Ordnung eines Menschen völlig zerstören. Den Kopf der Schlange zertritt man, solange er klein ist.