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Die Kröte und ihr schöner Sohn

Niveau C1 · 379 Wörter

Die Kröte und ihr schöner Sohn

Vor langer Zeit lebte tief in einem dunkelgrünen Efeuwald, durch den kühle Wasser voller Übermut rauschten, eine alte Kröte. Diese alte Kröte hatte einen kleinen gefleckten Sohn, den sie um nichts in der Welt hergegeben hätte und den sie als ihren Augapfel betrachtete. Für die anderen Geschöpfe des Waldes war dieses Kleine ein gewöhnlicher Bewohner des Schlamms; in den Augen seiner Mutter aber war es geradezu ein einzigartiges Juwel. Die Mutterkröte fand die raue Haut ihres Sohnes weicher als die feinste Seide und seine großen Augen so glänzend wie Diamanten. Wenn sie sich auf den Seerosenblättern sonnte, wurde sie nie müde, die Schönheit ihres Kindes zu preisen und stolz auf es zu sein. An einem Frühlingsmorgen brachte der weise Storch, der Herr der Lüfte, einen goldenen Olivenzweig, der dem anmutigsten und schönsten Jungen des Waldes verliehen werden sollte.

Alle Waldbewohner begannen voller Aufregung, ihre Jungen auf den Festzug vorzubereiten, um dieses kostbare Geschenk zu erhalten. Die Gazellen prahlten mit dem schwebenden Gang ihrer Kitze, die Pfauen mit den bunten Federn ihrer Kinder, und so versammelten sie sich auf dem Platz. Auch unsere Mutterkröte nahm ohne das geringste Zögern ihr Junges an die Hand und mischte sich stolz unter die Menge. Als die Tiere ringsum die selbstbewusste Haltung der Kröte und ihr Junges mit der rauen Haut sahen, begannen sie heimlich zu kichern. Ein hochmütiger Pfau trat vor und spottete: "Soll dieses schlammige Junge von dir etwa mit meinem seidenfedrigen Sohn wetteifern?" Die Mutterkröte hielt den Kopf hoch und entgegnete: "Wahre Schönheit sieht man nicht allein mit den Augen; das Licht in seinen Augen ist heller als alle Federn der Welt."

Der weise Storch betrachtete die Jungen eines nach dem anderen, wog die Anmut eines jeden ab und konnte sich nur schwer entscheiden. Als der Storch endlich zu der kleinen Kröte kam, blickte das Junge mit liebevollen Augen zu seiner Mutter und lächelte aufrichtig. Die Herzlichkeit auf diesem kleinen Gesicht und die tiefe Liebe zu seiner Mutter stellten allen Hochmut und Prunk des Waldes augenblicklich in den Schatten. Der weise Storch erkannte diese selbstlose Schönheit, die aus dem Herzen floss, und legte den goldenen Olivenzweig vor die kleine Kröte. Die Menge auf dem Platz begriff diese wahre Anmut jenseits des äußeren Scheins und verneigte sich still und ehrfürchtig vor der Entscheidung. Denn wenn man mit dem Herzen einer Mutter schaut, wird jedes Kind, das die Zärtlichkeit berührt hat, zum schönsten Wesen des Weltalls. Dem Raben erscheint sein Junges als Phönix.