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Die Klage des Schafs gegen den Wolf

Niveau C1 · 351 Wörter

Die Klage des Schafs gegen den Wolf

Es war einmal, jenseits der grünen Täler, ein gerechtes Waldkönigreich, in dem jedes Lebewesen in Frieden lebte. An der Spitze der Herde mit den weißen Lämmern, den sanftesten Bewohnern dieses schönen Landes, lebte ein kluges und mutiges Schaf. Doch der listige und grausame Wolf, der sich hinter den Schatten verbarg, verbreitete ständig Furcht unter der weidenden unschuldigen Herde. Trotz aller friedlichen Warnungen des Schafes ließ der Wolf niemals davon ab, den Reichtum der Wiese mit Gewalt an sich zu reißen. Das hilflose unschuldige Schaf beschloss endlich, zu dem weisen Löwen zu gehen, der dem Gerichtshof vorstand, damit Gerechtigkeit geschehe. Vor den erhabenen Löwen getreten, erzählte das tapfere Schaf mit einer Stimme voll tiefer Trauer eines nach dem anderen das Unrecht, das ihm widerfahren war.

"O gerechter Herrscher des Waldes, dieser grausame Wolf stiehlt nicht nur unser tägliches Brot, er trachtet uns auch nach dem Leben", rief es. Der listige Wolf aber, der seine eigene Schuld verbergen wollte, trat sogleich vor und begann seine Verteidigung mit hinterhältiger und süßer Zunge. "Mein erhabener König, diese Anschuldigungen sind völlig haltlos; ich ging nur ruhig auf dem Pfad, der mein eigenes Recht ist", sagte der Wolf. Der Wolf behauptete schlau, das Schaf beschuldige ihn zu Unrecht und in Wahrheit sei er selbst das Opfer. Die anderen Tiere im Gerichtshof gerieten über diese dreiste Haltung des Wolfes in Erstaunen und begannen zu tuscheln. Doch der weise Löwe blickte mit scharfen Augen in die Augen des Wolfes und erkannte sogleich die dunkle Absicht hinter der Lüge.

Der gerechte König, der die Wahrheit ans Licht bringen wollte, verlangte von beiden Seiten, ihre Zeugen vor den Gerichtshof zu rufen. Die alte Krähe und der betagte Fuchs, die auf der Wiese weideten, erklärten mutig, sie hätten mit eigenen Augen die Qualen gesehen, die der Wolf dem Schaf zugefügt hatte. Der grausame Wolf, dessen Lüge völlig entlarvt war, musste vor dem Gericht beschämt den Kopf senken. Der weise Löwe entschied mit einem Brüllen, dass der Wolf aus dem Wald vertrieben und der Schaden des Schafes ersetzt werde. Als die Gerechtigkeit so geschehen war, atmeten alle unschuldigen Tiere des Waldes tief und erleichtert auf. Die Gerechtigkeit, die auf der Seite des Rechtschaffenen steht, macht am Ende die List und die Gewalt des Tyrannen zunichte. Die Kerze des Lügners brennt nur bis zum Abendgebet.