Die Katze, die Maus und der Käse
Es war einmal ein hölzerner Keller hinter den gelben Weizenfeldern, in dem der Duft von frischem Käse aufstieg. In einer dunklen Ecke dieses tiefen Kellers lebte der Schlaue Kater, in der anderen Ecke die Pfiffige Maus. Eines Morgens erschien auf dem Holztisch mitten im Keller ein gewaltiger Käselaib, der mit seinem Wohlgeschmack die Augen blendete. Mit seiner goldgelben Farbe und dem herrlichen Duft, den er verbreitete, genügte dieser Käse, um beiden den Appetit zu reizen. Doch beide legten sich schweigend auf die Lauer und warteten darauf, dass der andere den ersten Schritt tat. Von ihrer Ungeduld übermannt, trat die Pfiffige Maus einen Schritt aus ihrem Bau und rief dem Kater zu.
"Mein ewiger Widersacher, dieser riesige Käse reicht für uns beide mehr als genug; komm, lass ihn uns brüderlich teilen", sagte sie. Der Schlaue Kater zwirbelte seine Schnurrhaare, verengte die Augen und antwortete mit äußerst liebenswürdiger Miene. "Du hast recht, meine Freundin; für eine Versöhnung gibt es keine schönere Gelegenheit", schnurrte er. "Komm du zuerst näher, damit ich dir das frischeste und weichste Stück des Käses zuteilen kann", sagte er und versuchte, die Maus zu täuschen. Die Maus hörte auf das Knurren ihres Magens, erlag dem Zauber des köstlichen Duftes und glitt auf den Kater zu. In dem Augenblick, als sie den Käse erreichte, bemerkte sie den gierigen Funken in den Augen des Katers, doch nun war es viel zu spät.
Mit einem einzigen Prankenhieb drängte der Schlaue Kater sowohl den Käse als auch die Maus in die Ecke. Als die Maus begriff, dass sie in die Falle gegangen war, gelang es ihr mit letzter Anstrengung, sich unter der Pfote des Katers hervorzuwinden. Sie rollte den Käselaib vom Tisch hinunter, lenkte den Kater ab und floh in ihr dunkles Loch. Der Kater, der den Preis seiner Gier bezahlte, indem er ohne die köstliche Speise blieb, vergeudete auch den heruntergefallenen Käse. So behielt die Maus ihr Leben, und die hinterhältige Täuschung des Katers fiel auf ihn selbst zurück. Wer sich von den süßen Versprechen des Feindes betören lässt und ein Bündnis eingehen will, verliert am Ende auch die Gelegenheit, die er in Händen hielt. Wer dem Schatten nachjagt, verliert die Substanz.