Die Hyänen
Vor langer Zeit lebten zwei Hyänen in einer weiten Savanne aus goldenem Sand. In dieser alten Fabel wechselten Hyänen jedes Jahr Geschlecht und Wesen. Ein Jahr waren sie hart und stark, im nächsten sanft und ruhig. Jeden Abend färbte sich die Sonne rot, und der Nachtwind wehte sanft. Tagsüber ruhten sie im Schatten, nachts jagten sie zusammen. Eines Tages beschloss das starke Männchen, das Weibchen schlecht zu behandeln. Es war immer grob zu ihr und nahm ihr das Essen weg.
Das Weibchen wurde sehr traurig, aber es schrie nie. Mit ruhiger Stimme kam es näher und sah ihm ins Gesicht. „Warum behandelst du mich heute so schlecht?“, fragte es. Das Männchen lachte und sagte: „Weil ich jetzt stärker bin.“ Das Weibchen sah es an und antwortete mit einem weisen Lächeln. „Vergiss nie: Nächstes Jahr tauschen wir unsere Rollen“, sagte es. „Was du mir heute tust, das erlebst du morgen selbst.“
Das Männchen hörte diese Worte, hielt an und dachte nach. Sofort fiel ihm ein: Nächstes Jahr wird es das schwache Tier sein. Es verstand seinen Fehler und senkte beschämt den Kopf. Von diesem Tag an war es immer gerecht und freundlich zu ihr. Die beiden Freunde lebten weiter in Frieden in der Savanne. Wie wir andere behandeln, so behandelt uns eines Tages das Leben. Was du säst, das wirst du ernten.