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Die Göttin und die Henne

Niveau B2 · 329 Wörter

Die Göttin und die Henne

Es war einmal ein fröhliches Tal voller goldgelber Felder, in dem die Göttin der Schönheit Venus lebte. Der hübsche Hühnerstall am Rand dieses zauberhaften Tals war einer der liebsten ruhigen Orte der Göttin. In dem Hühnerstall lebte eine dicke Henne, die jeden Morgen bei Sonnenaufgang ein glänzendes Ei legte. Diese fleißige Henne brachte die Göttin jeden Tag mit ihren reichlichen Eiern zum Lächeln. Auch Juno, die Königin des Himmels, besuchte ihre Freundin von Zeit zu Zeit und beobachtete diese liebe Henne mit Interesse. Eines Tages blieb Venus vor dem Hühnerstall stehen und sah der goldenen Henne bewundernd beim Eierlegen zu. Doch eine gierige Neugier, die plötzlich in ihrem Herzen aufstieg, begann ihren Verstand zu trüben.

Sie dachte bei sich: „Wenn dieses Tier am Tag ein Ei legt, legt es doppelt so viele, wenn es mehr frisst.“ Juno, die neben ihr stand, warnte ihre Freundin sanft und sagte, dieser Gedanke könne gefährlich sein. „Jedes Lebewesen hat sein Maß, und das Gleichgewicht der Natur darf man nicht stören“, sagte Juno. Doch Venus, die ihrer Gier unterlag, hörte überhaupt nicht auf diese weise Warnung ihrer Freundin. Sofort begann sie, den leckersten Mais und Weizen vor die Henne zu schütten, Handvoll für Handvoll. Die liebe Henne verschlang mit großem Appetit all dieses reichliche Futter, das vor sie gelegt wurde. Mit den Tagen wurde die Henne übermäßig dick und konnte sich nur noch schwer bewegen.

Bald darauf hörte die von ihrem Gewicht schwer gewordene Henne ganz auf, fröhlich zu gackern und zu laufen. Die Göttin Venus öffnete die Tür des Hühnerstalls und träumte von den Eiern, die sie zwei auf einmal in ihren Korb legen würde. Doch die schwerfällig gewordene Henne konnte nun nicht einmal mehr ein einziges Ei legen. Venus verstand ihren großen Fehler und empfand eine tiefe Reue über dieses Ergebnis ihrer Gier. Die Göttin, die auch das verlor, was sie hatte, während sie mehr wollte, trug die Strafe ihrer eigenen Habgier. Die Gier nach mehr lässt uns auch den Reichtum ganz verlieren, den wir schon in der Hand halten. Ein wenig Gier bringt einen großen Verlust.