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Die gemieteten Klagefrauen

Niveau A2 · 204 Wörter

Die gemieteten Klagefrauen

Es war einmal ein großes, reiches Haus hinter den grünen Tälern. In diesem schönen Haus lebte ein alter, reicher Mann. Eines Tages wurde der alte Mann plötzlich krank und starb. Seine lieben und gütigen Töchter waren tief traurig. Die Mädchen weinten still und litten große Schmerzen im Herzen. Doch der alte Brauch verlangte lautes Weinen bei der Beerdigung.

Die Verwandten zahlten Geld und mieteten Klagefrauen aus dem Dorf. Diese gemieteten Frauen kamen ins Haus und schrien sehr laut. Sie rissen sich die Haare, schlugen auf die Brust und weinten falsche Tränen. Eines der Mädchen staunte sehr und schaute neugierig zu. Das kleine Mädchen ging langsam zu der alten Klagefrau. "Wir haben unseren Vater verloren, aber wir weinen leiser als ihr", sagte sie.

"Ihr kanntet ihn gar nicht, wie könnt ihr so traurig sein?", fragte sie. Die alte Klagefrau trocknete ihre Tränen und lächelte das Mädchen an. Die Frau flüsterte dem Mädchen ganz leise ins Ohr. "Liebes Kind, ihr weint um den echten Schmerz im Herzen", sagte sie. "Wir aber schreien so laut für die Goldmünzen", fügte sie hinzu. Das kleine Mädchen verstand: goldener Schein ist keine echte Liebe. Ein gekaufter Schein ersetzt niemals die Gefühle im Herzen. Nur die Mutter weint echt, alle anderen weinen mit falschen Tränen.