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Die Bäume der Götter

Niveau B2 · 318 Wörter

Die Bäume der Götter

Vor langer Zeit versammelte sich am Rand eines alten Waldes, wo kühle Wasser flossen, ein prächtiger Rat. Die schützenden Götter des Himmels und der Natur waren zusammengekommen, um die Bäume der Erde unter ihren Schutz zu nehmen. Jeder Gott wollte den Baum wählen, der zu seinem eigenen Ruhm und seiner Schönheit am besten passte. Der erhabene Hauptgott wählte die mächtige Eiche, und die Göttin der Liebe wählte die duftende Myrte. Die fröhlichen Stimmen, die in den Tiefen des Waldes widerhallten, verbreiteten die Aufregung dieser Wahl im ganzen Wald. Der Gott der Kraft wählte die Silberpappel und lobte ihre hohe und aufrechte Haltung. Doch die Göttin des Verstandes und der Weisheit betrachtete die Wahl ihrer Freunde schweigend.

Am Ende konnte sie sich nicht zurückhalten und stellte den anderen Göttern neugierig eine Frage. „Warum habt ihr alle Bäume bevorzugt, die keine Früchte tragen und den Menschen keine Nahrung bieten?“ Der Hauptgott lächelte, sah die weise Göttin an und gab eine Antwort. „Wenn wir fruchttragende Bäume gewählt hätten, könnten die Menschen denken, dass wir diese Wahl für unseren eigenen Vorteil getroffen haben.“ Als die weise Göttin diese Antwort hörte, nickte sie langsam mit dem Kopf und erklärte ihre eigene Wahl. „Ich aber wähle den Olivenbaum, der an seinem Stamm silberne Blätter trägt und heilende Früchte gibt.“ Während die anderen Götter einander erstaunt ansahen, begannen sie, auf ihre Begründung zu warten.

Die weise Göttin erzählte von der nährenden Frucht des Olivenbaums und auch von seinem Öl, das die Dunkelheit erhellt. „Eine nutzlose Schönheit oder Prahlerei reicht nicht aus, um einen wahren Wert zu tragen“, sagte sie. „Die wahre Tugend ist, den Lebewesen Nutzen zu bringen und das Leben schöner zu machen.“ Der Hauptgott konnte seine Bewunderung vor diesem tiefen Gedanken nicht verbergen und beglückwünschte sie von Herzen. Alle Götter erkannten an, dass der Olivenbaum das Sinnbild des Überflusses und der Weisheit zugleich war. Prächtige Auftritte kommen und gehen, aber die nützlichen Werke, die auf der Welt hinterlassen werden, leben ewig. Einen Baum erkennt man an seiner Frucht, einen Menschen an seinem Werk.