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Der zum Tode verurteilte Mann

Niveau C1 · 395 Wörter

Der zum Tode verurteilte Mann

Vor langer Zeit lebte am Rand eines alten Waldes, wo kühle Wasser flossen, ein ehrgeiziger Kaufmann. Um mehr Reichtum zu gewinnen, scheute sich dieser Mann nie davor, die Gesetze zu brechen und unschuldige Dorfbewohner zu betrügen. Doch die dunklen Netze, die er aus Gier gewoben hatte, verwickelten sich eines Tages um seine eigenen Füße, und er wurde von den Wachen des Palastes gefasst. Der von den Richtern gebildete Gerichtshof beschloss, dass dieser betrügerische Mann bestraft werden solle, indem er am Galgen baumelte. Auf dem Platz der Stadt hatte sich eine große Menge versammelt und wartete neugierig auf jenen unheilvollen Augenblick, in dem das Urteil vollstreckt werden sollte. Während der Henker die gefettete Schlinge vorbereitete, rief der zum Tode verurteilte Mann unter Tränen, dass er bei der Gerechtigkeit des Herrschers Zuflucht suchen wolle.

Der weise Herrscher, der auf seinem bezaubernden Thron saß, hörte den verzweifelten Schrei des Mannes und beschloss, ihm ein letztes Recht auf ein Wort zu gewähren. Der Verurteilte senkte den Kopf und sagte: "O mein erhabener Herrscher, was mich an diesen Galgen gebracht hat, ist allein mein eigener nie endender Ehrgeiz." Der Herrscher runzelte die Stirn und fragte: "Heuchelst du jetzt Reue, um der Strafe für das Unrecht zu entgehen, das du begangen hast?" Der Mann stieß einen tiefen Seufzer aus, zeigte auf eine geschwärzte Krähe, die auf einem nahen Zweig rief, und sprach weiter. "Jenes Gold, das ich jahrelang mit List angehäuft habe, hat mir keinen Frieden gebracht, im Gegenteil, es hat mich in diese bodenlose Einsamkeit gezogen", flüsterte er. "Und nun krächzt sogar jener unglückliche Vogel über meinem Kopf, als spottete er über den bitteren Zustand, in den ich geraten bin", sagte er und weinte.

Als die Menge zu flüstern begann, erzählte der Mann mit tränenden Augen, wie Ehrgeiz und Hochmut den menschlichen Verstand blenden. Die Menschen ringsum versanken angesichts dieses aufrichtigen und lehrreichen Geständnisses in ein tiefes Schweigen. Der Herrscher wog sorgfältig die aufrichtige Reue in den Augen des Mannes und die tiefe Weisheit ab, die er an der Schwelle des Todes gewonnen hatte. Er hob die Todesstrafe sofort auf und gab dem Mann die Strafe, sein Leben lang den Armen zu helfen. Der Mann, den man unter dem Galgen hervorholte, warf sich unter Tränen zu Boden und dankte dafür, dass sein Leben verschont worden war. Von jenem Tag an lebte er als ehrlicher Handwerker und erzählte allen von der Tugend der Aufrichtigkeit. Der Mensch kann keinen wahren Frieden erreichen, ohne den Preis der Fehler zu begreifen, die er begangen hat, und ohne seinen Fehler einzugestehen. Wer Wind sät, wird Sturm ernten.