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Der Wolf und die Hirten

Niveau B2 · 357 Wörter

Der Wolf und die Hirten

Es war einmal am Rande eines alten Waldes, wo kühles Wasser floss, ein schlauer Wolf. Den ganzen Tag beobachtete dieser Wolf das Tal von hohen Hügeln aus und blickte seufzend auf die Herden der Dorfbewohner. Auf den grünen Wiesen des Tals lebten fröhliche und barmherzige Hirten, die die Herde beschützten. Als der Abend kam, zündeten die Hirten ein großes Feuer an, sangen gemeinsam Volkslieder und füllten ihre Bäuche. Der Wolf versteckte sich hinter den Büschen und beobachtete ihren warmen Tisch mit großer Eifersucht. An einem kalten Herbstabend bedeckten eine dunkle Dunkelheit und ein scharfer Wind den Wald.

Als der Wolf sehr hungrig wurde, beschloss er, sich mit leisen Schritten dem Zelt der Hirten zu nähern. Als er durch das Zeltfenster nach drinnen blickte, stieß er auf einen erstaunlichen Anblick, den er nicht glauben konnte. Die Hirten hatten ein fettes Schaf geschlachtet, das sie tagsüber wie ihren Augapfel hüteten, und aßen es mit Genuss. Die Männer, die sich um den Tisch versammelt hatten, lachten, während sie fröhlich das köstliche Fleisch teilten. Als der Wolf diese Situation sah, schüttelte er erstaunt den Kopf und trat verärgert aus den Büschen hervor. Er rief dem Hirten mit großer Verwunderung zu: "Ich kann nicht glauben, was du tust, mein Freund!", schrie er.

Der Wolf setzte seine Worte mit vorwurfsvoller Stimme fort: "Wenn ich dasselbe Schaf essen würde, würdet ihr das ganze Dorf aufwecken und mich sofort jagen!" "Warum verspürt ihr also überhaupt keine Schuldgefühle, wenn ihr ein Tier aus eurer eigenen Herde esst?" Bei dieser Reaktion des Wolfes legte der alte Hirte langsam das Fleisch in seiner Hand auf seinen Teller. Die jungen Hirten, die den Wolf überrascht anstarrten, hielten zuerst inne und verfielen dann in tiefes Schweigen.

Der alte Hirte antwortete mit ruhiger Stimme: "Wir teilen das Produkt unserer eigenen Arbeit." Der schlaue Wolf hatte jedoch diesen Widerspruch und die Heuchelei der Menschen längst verstanden. Da der Wolf wusste, dass er recht hatte, kehrte er unter den erstaunten Blicken der Hirten leise in die Tiefen des Waldes zurück und verschwand. Menschen verteidigen leicht Verhaltensweisen, die sie bei anderen für schuldig halten, wenn ihre eigenen Interessen auf dem Spiel stehen. Was du nicht willst, dass man dir tu', das füg' auch keinem andern zu.