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Der Wolf und der Igel

Niveau C2 · 383 Wörter

Der Wolf und der Igel

Es war einmal, am Rande eines alten Waldes, in dem kühle Wasser flossen, ein Wolf, der für seine Schlauheit berühmt war. Mit seinem gewaltigen Körper und seinen scharfen Zähnen bedrohte dieser Wolf ständig alle hilflosen Tiere in seiner Umgebung. In einem versteckten Winkel desselben dichten Waldes wohnte ein Igel, der für sich lebte, überaus klug und vorsichtig. Eines Tages, als die Dämmerung hereinbrach, begann der hungrige Wolf, auf der Suche nach einem leckeren Bissen heimlich über den Pfad zu schleichen. Als er den winzigen Igel plötzlich aus dem Gebüsch treten sah, funkelten seine hungrigen Augen vor großem Appetit und Hochmut. Mit seiner dröhnenden Stimme laut lachend, tat der Wolf einen drohenden Schritt auf seinen kleinen Widersacher zu. "So lange schon hungere ich, endlich habe ich eine knusprige Beute gefunden, die ich als Happen verspeisen werde", brüllte er.

Der Igel bewahrte seine Ruhe, stellte gelassen seine Stacheln ein wenig steiler auf und ergriff sogleich das Wort. "Mich zu fressen ist leicht, erhabener Wolf, doch wenn die Stacheln meines Leibes dir im Hals stecken bleiben, wirst du es bereuen", sagte er. Der freche Wolf schenkte diesen Warnungen kein Gehör, spottete über den Igel und stürzte sich eifrig nach vorn. Daraufhin nutzte der kluge Igel seinen Verstand, um sich zu retten, und schlug eine Wette vor. "Wenn du mich verschlingen willst, lass uns zuerst sehen, wer schneller jenen hohen Hügel hinabrollt", sagte er. Seines Sieges gewiss, nahm der hochmütige Wolf, ohne das kleinste Zugeständnis zu machen, dieses seltsame Angebot sofort an. Die beiden stiegen gemeinsam auf die steilen Felsen und stellten sich aufgeregt nebeneinander zum Wettlauf auf.

Der Igel rollte sich sogleich zu einer Kugel zusammen und begann, geschützt von seinen scharfen Stacheln, glatt den Hügel hinabzurollen. Der Wolf aber, von Gier geblendet, beschleunigte unkontrolliert und prallte gegen harte Felsen und stechendes Gestrüpp. Als er unten ankam, stöhnte der besiegte Wolf, der über und über voller Wunden und Blessuren war, jämmerlich vor Schmerz. Der Igel, der ohne die geringste Anstrengung und ohne auch nur einen Kratzer das Ziel erreicht hatte, musterte den hilflosen Zustand des Wolfes und lächelte. Der zerschundene Wolf gestand seine Niederlage ein, ihm blieb keine Kraft mehr, und er entfernte sich eilig von dort, ohne sich auch nur umzublicken. Wer auf die Kraft seiner Muskeln vertraut und sich dem Hochmut hingibt, ist stets dazu verdammt, sich dem Sieg eines scharfen Verstandes zu beugen. Ein törichter Kopf lässt die Füße leiden.