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Der Wolf und der hungrige Fuchs

Niveau C2 · 363 Wörter

Der Wolf und der hungrige Fuchs

Es war einmal am Rande eines alten Waldes, wo kühle Wasser flossen, ein schlauer Fuchs. Eines Tages, als die eisigen Winterwinde wehten, hatte dieser Fuchs seit Tagen keinen einzigen Bissen Futter gefunden. Während das Knurren seines Bauches sich in das Flüstern der Kiefern im Wald mischte, begann er erschöpft über die verschneiten Wege zu wandern. Gerade als er die Hoffnung verlieren wollte, kam ein riesiger und hochmütiger Wolf aus seiner Höhle und näherte sich ihm stolz. Die scharfen Augen des Wolfes hatten die Hilflosigkeit des vor Hunger geschwächten Fuchses sofort bemerkt. "Oh armseliger Fuchs, warum streifst du in einem so elenden Zustand umher?" fragte der mächtige Wolf. Der Fuchs sammelte seinen Verstand, lächelte den Wolf listig an und baute seinen Plan rasch in seinem Kopf auf.

"Vor Hunger bleibt mir fast der Atem weg, aber ich weiß, dass im Keller des Dorfbewohners ein großes Festmahl steht", sagte er. Der Appetit des gierigen Wolfes wuchs, sobald er diese verlockende Nachricht hörte, und seine Augen glänzten vor Gier. "Bring mich sofort zu diesem Keller, sonst wirst du mein erster Bissen!" brüllte der Wolf. Um Mitternacht schlichen die beiden Tiere leise in das Dorf und schafften es, durch das schmale Fenster des Kellers hineinzugleiten. In dem Keller standen köstliche Käse, getrocknetes Fleisch und Töpfe mit frischem Honig aufgereiht. Der Wolf stürzte sich, ohne sich um irgendetwas zu kümmern, auf das Essen und begann, seinen Magen randvoll zu stopfen. Der kluge Fuchs aber aß nur so viel, wie seinen Hunger stillte, und prüfte oft das schmale Fenster.

Bald darauf öffnete sich die hölzerne Tür des Kellers mit großem Lärm, und der Dorfbewohner erschien mit einer Laterne in der Hand. Der flinke und vorsichtige Fuchs sprang in einem Augenblick durch das schmale Fenster hinaus und floh. Der Wolf aber, dessen Bauch vom vielen Essen wie eine Trommel angeschwollen war, blieb im Fenster stecken und kam nicht hinaus. Der gefangene gierige Wolf bezahlte die Strafe seiner Gier schwer unter den Stöcken des Dorfbewohners. Der Fuchs dagegen kehrte in den verschneiten Wald zurück und konnte dank seines Verstandes sowohl einen vollen Bauch als auch seine Freiheit genießen. Wer seinen Verstand mit Maß gebraucht, entkommt immer, wer aber der Gier erliegt, gerät in seine eigene Falle. Ein wenig Gier bringt einen großen Verlust.