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Der Wolf und der Fuchs vor dem Affenrichter

Niveau B2 · 307 Wörter

Der Wolf und der Fuchs vor dem Affenrichter

Es war einmal im Herzen eines tiefen Waldes, den saftig grüne Bäume beschatteten, ein buntes Leben. In diesem Wald lebten ein scheckiger Fuchs, bekannt für seine Schlauheit, und ein grauer Wolf, bekannt für seine Gier. An einem Herbstmorgen verschwand die frische Beute in der Höhle des Wolfes plötzlich. Vor Zorn rasend, begann der Wolf aus vollem Halse durch den Wald zu rufen und den Verdächtigen zu suchen. Schließlich richteten sich die Pfeile seines Verdachts auf den schlauen Fuchs, der lautlos durch die Büsche glitt. Der Wolf vertrat dem Fuchs den Weg und schrie ihn mit harter Stimme an. "Du hast meine leckere Mahlzeit gestohlen, gib sie mir sofort zurück!"

Der Fuchs kniff mit unschuldiger Miene die Augen zusammen und wies die Anschuldigung zurück. "Ich habe deine Beute nicht angerührt, du kannst mich nicht verleumden!", erwiderte er. Als der Streit wuchs, beschlossen beide Seiten, sich der Gerechtigkeit des weisen Affen anzuvertrauen. Der Richteraffe, der auf dem Ast einer hohen Eiche saß, hörte den Parteien aufmerksam zu. Der Wolf schilderte mit übertriebenen Worten und Tränen, wie groß der Schaden war, den er erlitten habe. Der Fuchs seinerseits schwor Eide, um zu beweisen, was für ein ehrlicher Nachbar er sei. Der Affe strich sich den langen Bart und sah dem Theater der beiden Betrüger gelassen zu.

Als die Verhandlung endete, schlug der weise Affe seinen Holzhammer auf den Klotz und verkündete sein Urteil. "Du, o Wolf, siehst eigentlich nicht aus wie einer, der etwas verloren hat", sagte er. "Und du, o Fuchs, siehst aus, als hättest du diesen Diebstahl begangen, auch wenn du sagst, du habest nicht gestohlen", fügte er hinzu. Der Affe verkündete allen, dass beide wegen ihrer früheren Lügen ihre Glaubwürdigkeit verloren hätten. So wurde der scheinbar Rechthabende ins Unrecht gesetzt und der scheinbar Unschuldige für schuldig befunden, und beide gingen mit leeren Händen. Die Worte von Lügnern und Betrügern nimmt niemand ernst, selbst wenn sie die Wahrheit sagen. Die Kerze des Lügners brennt nur bis zum Abend.