Der Wolf im Schafspelz
Es war einmal am Rande eines tiefen Tals, wo hohe Kiefern aufragten, ein alter Schäfer. Jeden Abend brachte dieser Schäfer seine Schafe, die mit ihrer schneeweißen Wolle friedlich auf der Wiese grasten, in ihren sicheren Pferch. In den dunklen Ecken des Waldes versteckte sich ein schlaues Wolf, der die Herde mit hinterhältigen Augen beobachtete. Dank des wachsamen Schäfers und seines treuen Hundes konnte sich dieser Wolf der Herde jedoch überhaupt nicht nähern. Als die Tage vergingen und sein Hunger wuchs, beschloss der Wolf schließlich, nach einem tückischen Plan zu handeln, der ihm in den Sinn kam.
Eines Nachmittags fand der Wolf unter den Büschen auf der Weide ein getrocknetes Schafsfell und seine Augen leuchteten auf. Der hinterhältige Wolf legte sich das Fell sorgfältig auf den Rücken und lächelte zufrieden, als er sein Spiegelbild im Bach betrachtete. Als die Sonne am späten Nachmittag hinter den Hügeln verschwand, mischte er sich mit langsamen Schritten leise unter die Schafherde. Der Schäfer bemerkte dieses große Schaf nicht, das sich neu der Herde angeschlossen hatte, schloss alle Tiere im Pferch ein und verriegelte die Tür. Als die Dunkelheit einbrach und alle einschliefen, freute sich der Wolf innerlich bei dem Gedanken, leicht jagen zu können.
Er blickte das kleine Lamm neben sich an und flüsterte mit leiser Stimme: "Nun wird das köstlichste Festmahl dieser Nacht mir gehören." In der Mitte der Nacht änderten jedoch die Schritte des Schäfers, der sich dem Pferch näherte, plötzlich den gesamten Plan. Der Schäfer wollte Vorbereitungen für das große Festmahl des morgigen Marktes treffen und trat in stockdunkler Nacht ein. Da der Schäfer die Schafe in der stockdunklen Nacht nicht unterscheiden konnte, griff er direkt nach dem am größten aussehenden Mitglied der Herde. Er hielt den Wolf unter dem irreführenden Wollfell für das fetteste Schaf, packte ihn mit einem Griff und zog ihn heraus.
Der Wolf verstand nicht, was geschah, fiel in seine eigene Falle und konnte den Händen des Schäfers nicht entkommen. So lernte der schlaue Wolf wegen der Verkleidung, die er angenommen hatte, um andere zu täuschen, die größte Lektion seines Lebens. Wer zu Tricks greift, um andere zu täuschen, fällt eines Tages selbst in die Grube, die er gegraben hat. Lügen haben kurze Beine.