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Der Vogelscheuchenhund

Niveau C2 · 380 Wörter

Der Vogelscheuchenhund

Vor langer Zeit lebte am Rande eines fruchtbaren Bauernhofs, wo goldgelbe Ähren im Wind wogten, ein mürrischer Hund. Dieser Hund mit dem goldenen Fell lag den ganzen Tag im Schatten und hatte großes Vergnügen daran, vor allem um ihn herum zu prahlen. Mitten auf dem Hof stand eine riesige Krippe voll duftendem, frischem Heu, damit sich die müden Ochsen und Pferde stärken konnten. Doch dieser mürrische Hund hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, jeden Morgen hinzugehen und sich mitten in diese Krippe zu setzen, obwohl er selbst kein Heu fraß. Sogar das kleine Getier ringsum konnte sich seinen unangebrachten Hochmut und seine sinnlose Gier nicht erklären. An einem heißen Sommernachmittag, als die Sonne wie Glut am Himmel brannte, näherte sich der alte Ochse, der vom Feld zurückkam, mit schweren Schritten der Krippe.

Erschöpft davon, seit dem Morgen den Pflug zu ziehen, hatte er davon geträumt, sich mit einem Bissen süßen Heus zu sättigen und auszuruhen. Doch in dem Augenblick, als er den Kopf zur Krippe streckte, richtete sich der auf dem Heu zusammengerollte Hund plötzlich auf und begann drohend zu knurren. Er zeigte seine scharfen Zähne und rief zornig: "Bleib weg von hier, dieses warme Heulager gehört allein mir!" Der große Ochse seufzte verwundert und fragte: "Aber mein Freund, du frisst doch kein Gras, warum versperrst du mir meine Nahrung?" Der Hund aber, der von seinem Stolz nicht abließ, reckte den Hals und antwortete: "Ob ich fresse oder nicht, das geht dich gar nichts an!" Anderen einen Anteil zu missgönnen, der ihm selbst nichts nützte, war zum einzigen Vergnügen dieses hochmütigen Tieres geworden.

Auch die anderen Hoftiere hatten sich hilflos versammelt und beobachteten mit Kummer die unvernünftige und harte Haltung des Hundes. Genau in diesem Augenblick setzte sich der weise Hahn des Hofes auf einen hohen Zaun und rief mit lauter Stimme. "Welch große Torheit ist es, sich einer Gabe zu bemächtigen, die dir nichts nützt, nur damit andere keinen Nutzen davon haben!", sagte er. Beschämt über diese gerechten Worte griff der Besitzer des Hofes ein, schalt den Hund und trieb ihn von der Krippe fort. Während der alte Ochse endlich zu seinem frischen Heu kam, musste sich der neidische Hund beschämt in seine Hütte zurückziehen. Wer Dinge vorenthält, die ihm selbst nichts nützen, nur um anderen zu schaden, ist am Ende zur Einsamkeit verurteilt. Er frisst selbst nicht und lässt auch andere nicht fressen.