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Der Vogelfänger und die Zikade

Niveau B1 · 292 Wörter

Der Vogelfänger und die Zikade

Vor langer Zeit, an einem heißen Sommertag, als die goldenen Ähren im Wind wogten, verbarg sich zwischen den grünen Blättern eine süße Freude. In den hohen Zweigen einer alten Platane lebte eine fröhliche Zikade. Von morgens bis abends sang dieses winzige Tier dem Wald seine schönsten Lieder. Ihre Melodien flogen mit dem Wind davon und schenkten jedem Zuhörer einen tiefen Frieden. Doch auf dem Pfad nahe dem Wald streifte ein listiger Vogelfänger umher, der den ganzen Tag Vögel jagte.

Als der Vogelfänger diese kräftige und fröhliche Stimme aus den Büschen hörte, hielt er sofort inne. Er glaubte, dass der Laut von einem großen und fleischigen Vogel kam, und öffnete gierig die Augen. Langsam bereitete er seine klebrigen Leimruten vor und näherte sich leise dem Baum. Die Zikade aber saß auf einem hohen Blatt und feierte die Schönheit der Natur. Mit ihren scharfen Augen bemerkte sie die klebrigen Fallen in der Hand des Vogelfängers und brach ihr Lied ab. Gerade als der Mann seine Falle auf den Zweig legen wollte, sprang das kleine Tier auf einen höheren Ast. Sie blickte zu dem Mann hinunter und fragte: „Was willst du mit mir tun, wenn du mich fängst, Vogelfänger?“

Der Jäger schaute erstaunt nach oben, und als er sah, dass die Stimme von einem winzigen Tier kam, schämte er sich. Die Zikade lächelte weise und rief dem Mann zu. „Ich habe kein leckeres Fleisch, ich habe nur eine Stimme, die der Sommerhitze Freude schenkt.“ Der Vogelfänger staunte sehr, als er sah, dass sogar ein kleines Tier klug genug war, seine Fallen zu erkennen. Mit leeren Händen und einem Gesicht voller Scham sammelte er seine Ruten ein und ging fort. Wer sich von Aussehen und Klang täuschen lässt und überall großen Gewinn sucht, muss sich am Ende schämen. Nicht jeder Vogel, der singt, taugt für den Topf.