Der Vogelfänger und die Vögel
Es war einmal ein alter Vogelfänger, der am Rande eines grünen Tals lebte, in dem kühle Wasser flossen. Den ganzen Tag verbarg sich dieser Mann in den verborgensten Winkeln des Waldes und lauerte auf eine Gelegenheit, arglose Vögel in seine Falle zu locken. Die fröhlichen Bewohner des Waldes hingegen waren anmutige Geschöpfe, die die Freiheit des Himmels liebten und in Eintracht miteinander lebten. An einem Frühlingsmorgen, als der Duft der feuchten Erde die Luft erfüllte, breitete der Vogelfänger wieder seine feinen Netze zwischen den Büschen aus. Rings um das Netz streute er frische Weizenkörner, so köstlich, dass sie den Vögeln die Augen blendeten. In diesem Augenblick beobachtete eine kluge Lerche, die auf einem hohen Eichenast saß, neugierig die listigen Bewegungen des Mannes. Der kleine Vogel schlug sanft mit den Flügeln, kam dicht an den Boden heran und fragte den Vogelfänger mit süßer Stimme.
"O Mensch, was legst du da zwischen die Büsche, und für wen streust du diese köstlichen Körner aus?" Der Vogelfänger setzte ein falsches Lächeln auf und beschloss, seinen heimtückischen Plan zu verbergen. "Wie du siehst, mein kleiner Freund, baue ich hier eine großartige Stadt für Reisende und für Vögel", sagte er. "Und diese köstlichen Weizenkörner sind ein großzügiges Festmahl, das ich den Gästen dieser friedlichen Stadt anbiete." Obwohl die Lerche diesen trügerischen Worten nicht sogleich glaubte, war sie nahe daran, der Aufrichtigkeit des Vogelfängers zu erliegen, der immer wieder schwor. Als die anderen hungrigen Vögel diese Lüge hörten, glitten auch sie aufgeregt zur Festtafel hinab. Der Vogelfänger aber verbarg sich hinter den Büschen, hielt den Atem an und wartete, bis seine Beute dem Netz nahe kam.
In dem Augenblick, als die Vögel fröhlich nach dem Weizen zu picken begannen, zog der listige Vogelfänger aus seinem Versteck plötzlich an der Schnur. Das feine, doch starke Netz schlug im Nu über den armen Vögeln zusammen und nahm ihnen die Freiheit. Die Lerche, in der Falle gefangen, blickte zappelnd dem Vogelfänger in die Augen und stieß einen bitteren Schrei aus. "Wenn das die Stadt ist, die du baust", sagte sie, "wirst du keinen einzigen glücklichen Bürger finden, der hierher ziehen will!" Leider half die Reue nun nichts mehr, und die Vögel fügten sich hilflos ihrer dunklen Zukunft im Käfig. Wer vertraut, ohne die hinter süßen Versprechen verborgenen Absichten zu hinterfragen, wird in ein Unglück gerissen, das sich nicht mehr gutmachen lässt. Späte Reue nützt nichts.