Der undankbare Mann
Es war einmal, tief in einem geheimnisvollen und dicht bewaldeten Wald, ein seltsamer Brunnen. Ein armer, aber gutherziger Holzfäller hörte beim Holzsammeln verzweifelte Stimmen, die aus diesem tiefen Brunnen kamen. Als er in den Brunnen hineinsah, erblickte er einen Affen, eine Schlange, einen Tiger und einen Mann, die im Schlamm versunken waren. Die Tiere, die voller Angst waren, baten den Holzfäller um Hilfe und versprachen ihm, dass sie ihm niemals schaden würden. Doch die Schlange deutete mit flüsternder Stimme auf den Mann und sprach warnend zu dem Holzfäller. Bitte rette diesen Menschensohn nicht, denn das Menschengeschlecht vergisst die erwiesene Güte schnell.
Der weichherzige Holzfäller brachte es trotz dieser Warnung der Schlange nicht übers Herz und zog sie alle mit einem langen Seil hinauf. Der gerettete Affe brachte dem Holzfäller köstliche Früchte, und der Tiger schenkte ihm eine Halskette aus reinem Gold. Die Schlange aber schärfte ihm ein, sie zu rufen, wenn er in Not geriete, und verschwand im dunklen Wald. Der Mann jedoch, der aus dem Brunnen gekommen war, wurde sogleich von Gier gepackt, als er die kostbare Halskette in der Hand des Holzfällers sah. Er lief in die Stadt, trat vor den König und behauptete, der Holzfäller habe Gold aus dem Palast gestohlen. Der arme Holzfäller wurde wegen der Verleumdung dieses Mannes, den er für einen Freund gehalten hatte, von den Wachen ins Gefängnis geworfen.
Der Holzfäller, der ohne Hilfe im dunklen Kerker zurückblieb, erinnerte sich an die Worte der Schlange und rief sie mit einem tiefen Pfiff. Die treue Schlange glitt heimlich in den Kerker und flüsterte, nachdem sie den Sohn des Königs vergiftet hatte, dass nur der Holzfäller ihn mit einem heilenden Kraut heilen könne. Der Holzfäller strich das heilende Kraut, das die Schlange gebracht hatte, auf die Wunde des Prinzen und riss ihn vom Rande des Todes zurück. Der König, dessen Augen sich vor Freude mit Tränen füllten, erkannte die Unschuld des Holzfällers und gab ihm das Wort, damit er die Wahrheit erzähle. Als der Holzfäller erzählte, was ihm widerfahren war, kam die Lüge des undankbaren Mannes ans Licht, und er wurde in den Kerker geworfen. Der Holzfäller, der vom König mit Reichtum belohnt wurde, dankte seinen Freunden im Wald und trat in ein friedliches Leben ein. So kannten die Tiere den Wert der Güte, und es wurde einmal mehr bewiesen, dass der Undank allein vom Menschen kommt. Tu Gutes und wirf es ins Meer; wenn der Fisch es nicht weiß, weiß es der Schöpfer.