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Der Soldat und der Derwisch

Niveau C1 · 363 Wörter

Der Soldat und der Derwisch

Es war einmal, am Rande eines alten Waldes, wo kühle Wasser flossen, begegneten sich ein müder Soldat und ein Derwisch. Der Soldat, der jahrelang gekämpft hatte, kehrte mit dem scharfen Schwert an der Hüfte und einer schweren Last auf der Schulter in seine Heimat zurück. Der Derwisch an seiner Seite aber ging mit friedlichen Schritten, nur mit seinem Mantel und dem hölzernen Stab in der Hand. Den ganzen Weg über prahlte der Soldat mit der Kraft seines Schwertes, während der Derwisch lächelte und sein Schweigen bewahrte. Als die Dämmerung des Abends hereinbrach, setzten sich die beiden Reisenden unter eine mächtige Platane, um zu rasten. Geheimnisvolles Knistern aus den Tiefen des Waldes zerschnitt plötzlich die Stille der Nacht wie ein Messer. Plötzlich sprangen drei gefährliche Räuber mit Knüppeln in den Händen aus den Büschen und versperrten ihnen den Weg.

Der Soldat griff sofort nach seinem Schwert und rief zornig: "Kommt nicht näher, sonst lasse ich euch alle bereuen!" Als die Räuber das grimmige Verhalten des Soldaten sahen, lachten sie noch lauter und zogen ihre Waffen. In genau diesem Augenblick erhob sich der Derwisch ruhig und trat mit einem bescheidenen Lächeln vor. "Willkommen, Freunde, ihr seid gerade rechtzeitig gekommen, um unser Brot zu teilen", sagte der Derwisch mit sanfter Stimme. Angesichts dieses unerwartet herzlichen Empfangs zögerten die Räuber einen Augenblick und sahen einander verwundert an. Der Derwisch nahm sein frisches Brot aus seinem Beutel und bot es den Räubern ehrerbietig an. Voller Verwunderung musste der Soldat das scharfe Schwert in seiner Hand langsam in die Scheide stecken.

Sanfte Worte und das geteilte warme Brot schmolzen den harten Zorn in den Herzen der Räuber im Nu. Die Männer legten ihre Waffen auf den Boden, knieten neben dem Derwisch nieder und baten ehrerbietig um Vergebung. Die ganze Nacht hindurch plauderten sie am Feuer und entfernten sich mit den ersten Lichtern des Morgens leise von dort. Der stolze Soldat hatte mit eigenen Augen gesehen, wie sanfte Worte den Knoten lösten, den rohe Gewalt nicht lösen konnte. Er wandte sich dem Derwisch zu, verneigte sich beschämt, und von jenem Tag an trug er sein Schwert nur noch für wahre Gerechtigkeit. Die wahre Kraft liegt nicht in der Schärfe des Schwertes, sondern in der Feinheit des Herzens und in sanften Worten. Sanfte Worte locken sogar die Schlange aus ihrem Loch.