Der Schatz des Drachen
Es war einmal in einem smaragdgrünen Tal, das im Schoß dichter Wälder verloren lag, ein junger Holzfäller namens Akif, der für seine Ehrlichkeit bekannt war. Auf dem höchsten Gipfel der steilen Felsen, die dieses Tal umgaben, wohnte ein weiser Drache, der für seinen ungeheuren Reichtum bekannt war. Statt sein Gold zu hüten, lieh der Drache es ehrlichen Menschen, und wer sein Wort nicht hielt, den vertrieb er für immer aus seiner Höhle. Als eines Winters eine große Hungersnot das Dorf traf, beschloss der hilflose Akif, an die Tür des Drachen zu klopfen. Der junge Mann, der die steilen Pfade überwand und zur düsteren Tür der Höhle gelangte, holte tief Luft und trat hinein. Der Drache ließ die Höhle mit seiner brüllenden Stimme erbeben und fragte: "Was bist du gekommen von mir zu erbitten, Menschenkind?"
Akif verneigte sich ehrerbietig und sagte: "Mein Dorf hungert; ich bitte um ein Darlehen aus deinem Schatz, um mein Volk zu retten." Das riesige Geschöpf verengte die Augen und donnerte: "Und was lässt du mir als Pfand?" Der junge Holzfäller zog den silbernen Feuerstein, der ihm von seinem Vater geblieben war, aus der Tasche und reichte ihn der gewaltigen Klaue. "Dieser Stein ist das Einzige, was ich Wertvolles besitze, aber mein wahres Pfand ist das Ehrenwort, das ich dir gebe", sagte er und stand aufrecht. Als der Drache die unerschütterliche Entschlossenheit in den Augen des Jungen sah, reichte er ihm einen Beutel voll blitzendem Gold. "Wenn du dieses Gold am ersten Tag des Frühlings nicht zurückbringst, verlierst du dein Pfand für immer", warnte er.
Dankbar nahm Akif das Gold, deckte die Bedürfnisse der Dorfbewohner und begann Tag und Nacht ohne Unterlass zu arbeiten. An dem Tag, an dem der Schnee schmolz und sich auf den Wiesen die ersten Blumen öffneten, schnürte Akif all das verdiente Gold zusammen und kehrte zur Höhle zurück. Als der Drache sah, dass die Schuld vollständig beglichen war, legte er den silbernen Stein in die Hand des Jungen und lächelte zufrieden. "Du hast nicht nur deine Schuld bezahlt, du hast auch die Treue und die Verlässlichkeit des Menschen bewiesen", sagte das weise Geschöpf. Der Drache öffnete dem Jungen die Türen des wahren Schatzes in der Höhle und machte ihn zum angesehensten Mann des Tales. Jeder Schritt, der mit Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit getan wird, ist ein goldener Schlüssel, der dem Menschen selbst die für unüberwindlich gehaltenen Türen öffnet. Ein wahres Wort braucht keinen Eid.