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Der Ritter und der lügende Diener

Niveau C2 · 348 Wörter

Der Ritter und der lügende Diener

Vor langer Zeit, am Rande eines alten Waldes, wo kühle Wasser flossen, lebte ein edler Ritter, dessen Herz für die Gerechtigkeit schlug. An der Seite dieses Ritters stand ein junger Diener, der alle mit seiner süßen Zunge bezauberte, es sich aber zur Gewohnheit gemacht hatte, die Wahrheit zu verdrehen. Das Volk des Palastes und die Dorfbewohner glaubten den übertriebenen Geschichten des Dieners und hörten nicht auf, seinen Mut zu loben. Der Ritter aber kannte diese List seines treuen Freundes und versuchte geduldig, ihn auf den rechten Weg zu führen. Eines Tages rief der König die Tapferen vor sich, um einen riesigen Drachen zu besiegen, der im gefährlichsten Wald des Königreichs erschienen war. Der Ritter legte seine mächtige Rüstung an und machte sich mit seinem Diener auf den Weg zu den stürmischen Bergen.

Als sie die dunkle Höhle im Herzen des Waldes erreichten, versteckte sich der Diener vor Angst hinter einer riesigen Platane. Nach einem erbarmungslosen Kampf besiegte der tapfere Ritter das Ungeheuer mit seinem scharfen Schwert. Als seine Angst vorüber war, drängte sich der lügnerische Diener vor den Ritter, lief zum Palast und behauptete, er habe das Ungeheuer ganz allein bezwungen. Während der König dem Diener voller Freude goldene Becher überreichte, stand der Ritter still im Hintergrund und wartete auf den Augenblick der Wahrheit. Der Diener vergrößerte seine Lüge und sagte: "Wäre mein Schwert nicht gewesen, so wäre mein Herr vor diesem wilden Geschöpf umgekommen." Um den Mut des Dieners zu prüfen, gab ihm der König die Aufgabe, das letzte Drachenei in der Höhle zu bewachen.

Um Mitternacht, beim leisesten Knacken, das aus dem Wald aufstieg, versagten dem Diener die Knie, und er kniete hilflos nieder und begann zu weinen. Vor den Edlen des Palastes zog der Ritter das Schwert des Dieners aus der Scheide und zeigte, dass nicht ein einziger Kratzer auf dem Schwert war. Der Diener, dessen Lüge taghell ans Licht gekommen war, senkte beschämt den Kopf und musste die Wahrheit gestehen. Der König belohnte den Ritter, den wahren Helden, für seine Ehrlichkeit und seine Bescheidenheit. So verschwand die Leere des falschen Lobes vor dem unerschütterlichen Licht der Wahrheit. Wie unsere Alten sagen: Die Kerze des Lügners brennt nur bis zum Einbruch der Nacht.