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Der Narr und das Sieb

Niveau B2 · 328 Wörter

Der Narr und das Sieb

Es war einmal am Rande eines hübschen Bachs, der nach bunten Blumen duftete, ein neugieriger junger Mann namens Keloğlan. Keloğlan war ein gutherziger Mensch, aber er handelte sofort nach dem ersten Gedanken, der ihm in den Sinn kam. An einem Sommermorgen beschloss er, Wasser aus dem glitzernden Bach zu seinem Holzhaus zu tragen. Er lief in die Küche und schnappte sich das erste Werkzeug, das er fand, nämlich das gelochte Sieb, das sie beim Mehlsieben benutzten. Ohne sich um die Löcher im Sieb zu kümmern, machte er sich fröhlich Lieder singend auf den Weg zum Bach.

Als er am Rande des kühlen Bachs ankam, tauchte er das Sieb voller Begeisterung in das klare Wasser. Als er das Sieb schnell aus dem Wasser zog, sah er, wie das Wasser durch die Löcher sickerte und munter tropfte. "Ich glaube, das Wasser verschüttet sich, weil ich nicht schnell genug laufen kann", dachte Keloğlan. Er füllte das Sieb erneut und begann mit aller Kraft nach Hause zu laufen. Nach nur wenigen Schritten bemerkte er jedoch, dass das Sieb völlig leer war. In diesem Moment beobachtete ein alter Weiser am Straßenrand Keloğlans Bemühungen mit einem Lächeln.

Der weise Mann näherte sich ihm und sagte: "Sohn, du verschwendest vergeblich deinen Atem." Keloğlan antwortete stur: "Wenn ich etwas schneller laufe, kann ich das Wasser nach Hause bringen." Den ganzen Tag über versuchte er es viele Male, aber jedes Mal blieb ihm nur ein nasses Sieb in der Hand. Als die Sonne unterging, brach Keloğlan vor Erschöpfung auf die Knie und verstand endlich die Wahrheit. Der weise Mann lächelte sanft und reichte ihm einen stabilen Holzeimer.

"Der Verstand arbeitet, wenn du das richtige Werkzeug wählst", erteilte er Keloğlan eine Lektion. Keloğlan füllte Wasser in den Eimer und erreichte sein Haus, ohne auch nur einen einzigen Tropfen zu verschütten. So verstand er, dass Anstrengung, die mit der falschen Methode aufgewendet wird, keine Ergebnisse bringt. Ein Mensch, der seinen Verstand und die richtigen Werkzeuge nicht benutzt, verschwendet seine Mühe, egal wie sehr er sich anstrengt. Man kann kein Wasser in einem Sieb tragen.