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Der Metzger und der Affe

Niveau B2 · 389 Wörter

Der Metzger und der Affe

Es war einmal ein großer Laden auf einem bunten Marktplatz voller zwitschernder Vogelstimmen. Der erfahrene Metzger, dem dieser Laden gehörte, war ein geschickter Mann, bekannt dafür, seine scharfen Messer meisterhaft zu führen. In dem hohen Baum gegenüber dem Laden des Metzgers aber lebte ein überaus neugieriger und schelmischer Affe. Von morgens bis abends beobachtete dieses liebe Tier jede Bewegung des Metzgers ganz genau und wollte es ihm gleichtun. Wenn der Metzger sein Beil hob und das Fleisch zerteilte, ahmte der Affe auf seinem Ast dieselben Bewegungen mit leeren Händen nach. An einem heißen Mittag legte der Metzger das frische Fleisch auf die Theke und ging in den hinteren Raum, um sich ein wenig auszuruhen. Der neugierige Affe nutzte die Gelegenheit, glitt lautlos vom Baum und kam durch das offene Fenster in den Laden.

Als er das schwere, blitzende Beil und die scharfen Messer sah, leuchteten seine Augen vor Freude. Er flüsterte zu sich selbst: "Ich bin ein ebenso guter Koch wie dieser Metzger." Sogleich trat er hinter die Theke, band sich die Schürze des Metzgers um den Hals und packte das große Beil mit aller Kraft mit beiden Händen. Er versuchte jene großartige Bewegung nachzumachen, die er beim Metzger gesehen hatte, um das riesige Stück Fleisch auf dem Tisch zu zerteilen. Er hob das schwere Beil mit aller Kraft, dachte aber keinen Augenblick daran, wie gefährlich das Werkzeug war. Der Affe, der nicht mit dem Messer umgehen konnte und nicht begriff, dass Meisterschaft nicht durch bloßes Nachahmen entsteht, machte sich eifrig ans Werk. Er ließ das Beil schnell heruntersausen, um das Fleisch zu schneiden, doch das schwere Werkzeug entglitt seiner Hand.

Statt das Fleisch zu treffen, verletzte der scharfe Stahl die eigene Hand und das Bein des ungeschickten Affen und tat ihm sehr weh. Der Affe schrie vor Schmerz auf, ließ das Beil zu Boden fallen und versteckte sich voller Angst unter der Theke. Der Metzger hörte den Lärm, lief in den Raum und eilte beim Anblick der Szene sofort dem armen Tier zu Hilfe. Während er die Wunde verband, sah er den Affen zärtlich an und erklärte ihm freundlich, dass man Können nicht durch bloßes Zusehen erwirbt. Der Affe kehrte auf den bezaubernden Marktplatz zurück und versprach, sich nie wieder an gefährliche Arbeit zu wagen, die er nicht kannte. Blindes Nachahmen, das weder auf Wissen noch auf Können beruht, bringt dem Menschen statt Nutzen nur Schaden. Wenn Zusehen zum Meister machte, wäre die Katze ein Metzger.