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Der Mann, der für sich selbst betete

Niveau C1 · 354 Wörter

Der Mann, der für sich selbst betete

Es war einmal, am Rande eines riesigen Waldes, wo kühle Wasser sanft flossen, da lebte ein ehrgeiziger Mann namens Kaan. Dieser Mann, der ganz allein in seinem prunkvollen Herrenhaus wohnte, schaute sich nie nach seinen hilfsbedürftigen Nachbarn um. Jeden Abend stieg er zum marmornen Tempel auf dem Hügel hinauf und flehte im Licht der Öllampen lange und ausgiebig. Doch die Wünsche, die von seinen Lippen flossen, gründeten sich stets nur darauf, sein eigenes Vermögen zu vervielfachen. "O höchste Macht, nur meine Scheune soll nicht ohne Segen bleiben, nur meine Truhen sollen sich mit Gold füllen", flüsterte er. Eines Tages brach eine erbarmungslose Dürre über die Stadt herein und die Freude des Bodens zog sich völlig zurück.

Die hoffnungslos gewordenen Dorfbewohner reichten sich die Hände und versammelten sich im Tempel zu einem gemeinsamen Gebet um Barmherzigkeit. Das ganze Volk wünschte aufrichtig, dass die Felder wieder ergrünten, dass die Bäche anschwollen und dass alle satt würden. Kaan aber drängte sich selbstsüchtig durch die Menge in die vorderste Reihe und erhob gierig seine Stimme. "Rette meine Saat, der Hunger und die Hilflosigkeit der anderen Menschen gehen mich überhaupt nichts an!", schrie er. Genau in diesem Augenblick trat ein weiser Greis mit weißem Bart aus den dämmrigen Schatten des Tempels hervor. Der Greis blickte Kaan in die Augen und sagte: "Wer nur für sich selbst bittet, geht im kalten Schoß der Einsamkeit zugrunde."

Kaan achtete diese sittliche Warnung nicht, umarmte seine Beutel voll Gold und entfernte sich hochmütig von dort. Am nächsten Morgen, während Segen auf Kaans Garten herabregnete, blieben die dürren Böden seiner Nachbarn in Staub und Rauch zurück. Doch während Kaan seine gewaltigen Feldfrüchte ganz allein einbrachte, fand er nicht einen einzigen Freund, um seine Freude zu teilen. Der Mann, der in seinem verlassenen Herrenhaus mutterseelenallein zurückblieb, wurde in eine tiefe Schwermut gezogen, die die übermäßige Gier mit sich brachte. Nicht lange danach verfaulten das Gold, das er in verschlossenen Truhen verbarg, und die Feldfrüchte, die er nicht teilte, rasch und verwandelten sich in gewöhnliche Steine. Dieser große Zusammenbruch, den die Selbstsucht verursacht hatte, weckte in Kaans hartem Herzen eine unwiederbringliche Reue. Wahrer Segen und wahrer Frieden zeigen sich nur dann, wenn wir auch das Glück der anderen zu unseren eigenen Wünschen hinzufügen können. Ein Stein macht noch keine Mauer.