Der Mann, der die Wellen zählen wollte
Es war einmal in einer hübschen Küstenstadt an den endlosen blauen Meeren ein neugieriger Mann. Dieser Mann liebte es, alles um sich herum zu zählen und die Ordnung jedes Gegenstands zu lernen. Eines Morgens, als er am goldenen Sandstrand entlangging, schaute er lange auf die schwungvollen Meereswellen. Er versprach sich selbst, dass er die genaue Anzahl der schäumenden Wellen herausfinden würde. Er setzte sich auf den warmen Sand und begann aufmerksam zu warten, ohne die Augen vom Meeresspiegel zu wenden.
"Eins, zwei, drei...", begann der Mann voller Eifer, die ankommenden Wellen zu zählen. Doch als eine neue Welle von hinten die vorherige wegspülte, wurde der Mann verwirrt. Manchmal teilte sich eine Welle in zwei, und manchmal wurden aus drei kleinen Wellen eine große Welle. Gerade als er die hundertste Welle erreichte, vergaß er wegen des Schaums, der schnell an das Ufer schlug, wieder die Zahl. "Ich muss schon wieder von vorne anfangen!", schrie der Mann in großer Wut.
In der Zwischenzeit näherte sich ein alter Fischer, der ruhig am Strand entlangging, dem Mann. Der weißbärtige Fischer fragte: "Mein Sohn, warum starrst du ohne den Blick abzuwenden auf das Meer?" Der Mann sagte verärgert: "Ich versuche zu zählen, wie viele Wellen das Meer hat, aber jedes Mal komme ich durcheinander." Der alte Fischer lächelte sanft, holte eine getrocknete Muschel aus der Tasche und reichte sie dem Mann. "Solange der Wind weht und die Erde sich dreht, werden die Wellen dieses Meeres niemals enden", sagte der weise Fischer. Der Mann holte tief Luft und blickte eine Weile auf das schäumende Wasser und das ruhige Gesicht des alten Fischers.
Er erkannte schließlich, dass eine endlose Anstrengung einen Menschen nur ermüden und unruhig machen würde. Er beschloss, mit dem Zählen aufzuhören und den kühlen Wind sowie das Geräusch der Wellen vom Meer zu genießen. Anstatt ihr Leben mit endlosen Aufgaben jenseits ihrer Kräfte zu vergeuden, sollten die Menschen den Frieden des Augenblicks leben. Man soll nicht nach den Sternen greifen.