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Der Maler und seine Frau

Niveau C2 · 403 Wörter

Der Maler und seine Frau

Es war einmal, in einem anmutigen Städtchen, wo die Meere ins Blaue schimmerten, ein Maler mit einem zauberhaften Pinsel und seine geschickte Frau. Sobald der Maler seine Leinwand berührte, erwachten gewöhnliche Leinwände zum Leben, und aus seinen Bildern stiegen förmlich duftende Blumendüfte auf. Seine Frau wiederum war eine weise Frau, die mit den bunten Stoffen, die sie im Garten ihres Hauses zart webte, die Herzen der Stadtbewohner erobert hatte. Die beiden Verliebten verbrachten ihr Leben in Frieden und schöpften in ihrem bescheidenen Dasein Inspiration aus der Fröhlichkeit und der Anmut des anderen. Doch während das unbarmherzige Rad der Zeit sich drehte, begann die Frau zu trauern, weil sie in ihrem Spiegelbild meinte, ihre Jugend beginne zu erlöschen. Der Maler, der die Wolken der Traurigkeit im Gesicht seiner Frau bemerkte, beschloss, ihr ein Meisterwerk zu schenken, das seine Liebe unsterblich machen würde.

Tagelang schloss er sich in seiner Werkstatt ein und arbeitete seine erlesensten Farben und die unerschöpfliche Liebe in seinem Herzen Masche für Masche in seine Leinwand ein. Als das Bild vollendet war, spiegelten sich darin nicht nur die äußere Schönheit der Frau, sondern auch die Zärtlichkeit und die Weisheit in den Tiefen ihrer Seele. Die Frau, die das Bild sah und ihre Tränen nicht zurückhalten konnte, fragte: "Während die Spiegel mir sagen, dass ich alt geworden bin, wie siehst du mich nur so strahlend?" Der Maler lächelte und antwortete: "Wahre Kunst besteht nicht darin, das auf die Leinwand zu tragen, was das Auge sieht, sondern die Wahrheit, die das Herz fühlt." Gerade da betrat der reiche und hochmütige Kaufmann der Stadt die Werkstatt und wollte dieses großartige Bild sofort kaufen. Der Kaufmann bot Säcke voller Gold für das Bild und versuchte, den Verstand des Malers zu betören und das Gemälde in sein Herrenhaus zu tragen.

Obwohl die Frau einen Augenblick zögerte, weil sie dachte, sie würden der Armut entkommen, sah sie den entschlossenen Blick des Malers. Der Maler wandte sich dem hochmütigen Kaufmann zu und erklärte, dass kein Schatz der Welt den unbezahlbaren Wert der Liebe zu seiner Frau kaufen könne. Während der Kaufmann zornig die Werkstatt verließ, umarmten sich die beiden Verliebten noch fester und empfanden den Stolz ihrer Treue. Von jenem Tag an fand die Frau ihren Frieden, indem sie nicht auf die vergänglichen Linien in den Spiegeln blickte, sondern auf die ewige Liebe in den Augen ihres Mannes. In der ganzen Stadt verbreitete sich von Mund zu Mund, dass keine mit Liebe geleistete Mühe und keine von Herzen kommende Treue mit Reichtum gemessen werden könne. Jedes Wesen, das mit dem Auge des Herzens betrachtet wird, wird durch die Liebe unsterblich und lebt jenseits der Zeit. Was das Auge sieht, ist vergänglich; was das Herz liebt, ist ewig.