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Der Löwe und das sagenhafte Untier

Niveau C1 · 383 Wörter

Der Löwe und das sagenhafte Untier

Es war einmal in einem verzauberten Königreich, in dem silberne Flüsse glitzernd flossen, da lebten der Löwe, der König der Wälder, und das Ungeheuer mit dem silbernen Horn. Die silberne Krone des gewaltigen Königreichs tief im Wald war seit Jahren eine Frage des Stolzes zwischen diesen beiden mächtigen Rivalen. Wenn der Löwe brüllte, bebte der Himmel, und wenn das Ungeheuer sein silbernes Horn schwang, neigten sich sogar die Blätter voller Ehrfurcht. Beide wollten der einzige Herr dieses prächtigen Besitzes sein und wetteiferten mit einer Gier miteinander, die niemals versiegte. Das Waldvolk aber betrachtete diesen endlosen Streit mit besorgten, doch ebenso neugierigen Augen. An einem lauen Frühlingsmorgen standen sich die beiden stolzen Rivalen unter den flüsternden Bäumen erneut gegenüber. Der Löwe sträubte seine Mähne und schrie: "Ich bin der einzige Besitzer dieser Krone, du wirst dich beugen!"

Das Ungeheuer aber hielt sein silbernes Horn der Sonne entgegen und antwortete: "Die wahre Schönheit und Kraft liegt in mir, die Krone steht mir zu!" Den ganzen Tag lang kämpften sie erbarmungslos mitten auf der Wiese, und Staub und Rauch vermischten sich. Der alte weise Zuckerbäcker des Waldes brachte ihnen frisch gebackene Brote und köstliche Küchlein, um den Streit zu schlichten. Beide hielten eine Weile inne und füllten sich den Bauch, doch kaum waren sie satt, sahen sie einander wieder voller Gier in die Augen. "Nur Brot zu essen genügt nicht, der einzige Herr dieses Besitzes muss gewählt werden!", donnerte der Löwe. Das Ungeheuer aber wieherte stolz und forderte ihn weiter heraus. Der Kampf dauerte stundenlang; weder gab der Löwe auf, noch wich das Ungeheuer zurück.

Am Ende brachen beide vor Erschöpfung zusammen und verloren ihre Kräfte vollständig. Genau in diesem Augenblick kam ein schlauer Fuchs, der auf seine Gelegenheit gelauert hatte, und schnappte die herrenlos gebliebene silberne Krone weg. Während die beiden stolzen Geschöpfe erschöpft am Boden lagen, sahen sie hilflos zu, wie die Krone vor ihren Augen verschwand. In jenem Augenblick begriffen sie, dass die erbarmungslose Mühe, die sie vergeblich vergeudet hatten, ihnen nur Müdigkeit und Verlust gebracht hatte. Der Löwe und das Ungeheuer brannten vor tiefer Reue, weil sie die Perle des Königreichs wegen eines sinnlosen Wettstreits an einen anderen verloren hatten. Von jenem Tag an beschlossen die beiden mächtigen Freunde, nicht die Krone, sondern die Freundschaft und den Frieden zu teilen. Blinder Wettstreit aus Gier lässt den Menschen die kostbarsten Schätze in seinen Händen verlieren. Zwei Rivalen vertragen sich nie unter einem Dach.