Der Lorbeerbaum und der Olivenbaum
Es war einmal auf einem windigen Hügel mit Blick auf das Blaue Meer lebten zwei benachbarte Bäume. Einer dieser Bäume war Lorbeer, die stolz auf ihre glänzenden Blätter war, und der andere war der bescheidene Olivenbaum. Lorbeerbaum streckte ihre duftenden Blätter der Sonne entgegen und prahlte ständig mit ihrer Schönheit. Der alte Olivenbaum hingegen umarmte still die Erde und lauschte fröhlich den Vögeln, die in seinem Schatten ruhten. An einem süßen Frühlingstag begann Lorbeer, im Wind schwankend auf ihren Nachbarn herabzusehen.
"Sieh mal Nachbar, meine Blätter glänzen immer strahlend und schmücken die Kronen der Könige", sagte Lorbeer. "Große Helden und Dichter wählen immer meine Zweige, um ihre Siege zu feiern." "Deine Blätter hingegen sind gewöhnlich, und in deinen krummen Zweigen gibt es überhaupt keinen Glanz." Olivenbaum hörte sich diese hochmütigen Worte ruhig an und schüttelte langsam seine Zweige. "Deine Schönheit ist wirklich sehr auffällig, liebe Lorbeer", antwortete Olivenbaum. "Doch man erinnert sich nur bei Siegesfeiern und protzigen Zeremonien an dich."
"Ich hingegen gebe den Menschen leckere Früchte und goldgelbes Öl, das dunkle Nächte erleuchtet." "Meine Zweige beenden Kriege und werden als Symbol für Frieden und Arbeit akzeptiert." Genau in diesem Moment flüchtete ein alter Reisender, der den Hügel passierte, vor Müdigkeit in den Schatten der Bäume. Der Reisende ruhte sich im Schatten des Olivenbaums aus und aß das Brot, das er aus seiner Satteltasche holte, süß mit Oliven. Er roch den angenehmen Duft des Lorbeerbaums, aber nur der Olivenbaum linderte seinen Hunger und seine Müdigkeit.
In diesem Moment erkannte Lorbeer, dass protzige Schönheit nicht so wertvoll war wie nützlich zu sein. Von diesem Tag an lebten die beiden benachbarten Bäume weiter auf dem Hügel und respektierten einander. Der wahre Wert liegt nicht im Schein des äußeren Erscheinungsbildes, sondern im Nutzen und der Güte, die den Menschen erwiesen werden. Ein Baum wird nicht an seinen Blättern erkannt, sondern an den Früchten, die er gibt.