Der Kuckuck und die Vögel
Es war einmal am Rande eines alten Waldes, wo kühle Wasser flossen, da lebten Hunderte großer und kleiner Vögel in Frieden. Jeden Morgen hallten die saftig grünen Zweige von den süßesten Melodien wider und verbreiteten Freude in allen Ecken des Waldes. Doch mitten in dieser fröhlichen Gemeinschaft lebte ein fauler Kuckuck, der nicht einmal einen einzigen eigenen Halm besaß. Während die anderen Vögel im Morgengrauen früh aufwachten und ihre Nester bauten, saß er nur auf einem hohen Ast, schaute ihnen zu und langweilte sich. Dieser auf den eigenen Komfort bedachte Vogel war ein stolzes Geschöpf, das es sich zur Gewohnheit gemacht hatte, von der Mühe anderer zu leben. Eines Tages schwebte er stolz herab und setzte sich neben die Schwalbe, die geschickteste Baumeisterin des Waldes. Er blickte die geschickte Schwalbe hochmütig an und sagte, dass er das Geheimnis des Nestbaus lernen wolle.
Während die Schwalbe den Lehm und die Halme kunstvoll verarbeitete, begann sie geduldig, die Feinheiten dieser Kunst zu erklären. "Zuerst musst du ein festes Fundament legen, dann langsam den Mörtel anrühren, der dem Wind standhält", sagte die Schwalbe freundlich. Doch der ungeduldige Kuckuck langweilte sich schon beim ersten Klumpen Lehm und begann zu murren und zu klagen. "Ist so viel Mühe und Arbeit wirklich nötig für einen wertlosen Haufen Lehm?", fragte er geringschätzig. Statt zu lernen suchte der Kuckuck Abkürzungen, unterbrach die Schwalbe und entfernte sich schnell von dort. Er besuchte auch die anderen Vögel, die Baumeister des Waldes, doch er hörte keine ihrer Lektionen bis zum Ende an. Jedes Mal verachtete er die Mühe und wählte, statt Geduld zu zeigen, die fertigen Nester anderer zu begehren.
Als die Jahreszeiten schnell wechselten und die harten Winde an die Tür klopften, zogen sich alle Vögel in ihre warmen Nester zurück. Der Kuckuck aber, der nicht eine einzige geschützte Ecke hatte, blieb ganz allein in der eisigen Kälte zurück. Den Preis dafür, die Mühe anderer zu verachten, zahlte er, indem er in stürmischen Nächten zitterte und nach Schutz suchte. In seiner Verzweiflung musste er seine Eier heimlich in die Nester anderer Vögel legen und sein Leben wie ein Nomade führen. Von jenem Tag an konnte er nie mehr stolz singen und den Frieden und die Wärme seines eigenen Nestes kosten. Kein Obdach, das ohne Mühe erlangt wird, kann einem wahren Frieden und ein Gefühl der Zugehörigkeit schenken. Ohne Mühe gibt es keinen Segen.