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Der kranke Löwe, der Fuchs und der Bär

Niveau C1 · 340 Wörter

Der kranke Löwe, der Fuchs und der Bär

Es war einmal ein alter und mächtiger Löwe, der in einem tiefen Tal herrschte, das dichte Wälder umfingen. Eines Tages wurde dieser prächtige Herrscher von einer unerbittlichen Krankheit befallen und musste sich in seine feuchte Höhle zurückziehen. Alle Tiere des Waldes traten einzeln vor den Löwen, um ihre Treue zu zeigen, und überbrachten ihm ihre Genesungswünsche. Doch der für seine Schlauheit bekannte Fuchs war noch nicht in der Höhle erschienen, und das entging dem gierigen Bären nicht. Der Bär, der auf seine Gelegenheit lauerte, begann sogleich Zwietracht zu säen, um den Zorn des Herrschers zu schüren. Der Bär beugte sich vor und flüsterte dem Löwen ins Ohr, der Fuchs habe keinerlei Achtung vor ihm und bleibe absichtlich fern.

Unterdessen hatte der schlaue Fuchs, der bis zum Eingang der Höhle gekommen war und jene Worte gehört hatte, einen listigen Plan gefasst. Mit großer Ehrerbietung trat der Fuchs ein und kniete mit einer königlichen Haltung vor dem Löwen nieder. Vor Wut brüllend fragte der Löwe den Fuchs, warum er sich so verspätet habe und wo er geblieben sei. Der Fuchs bewahrte seine Ruhe und sagte, mein erhabener Herrscher, ich bin von Land zu Land gezogen, um ein Heilmittel für Eure Krankheit zu finden. Als der kranke Löwe das Wort Heilung hörte, leuchteten seine Augen auf, und er wollte ungeduldig erfahren, was die Arznei sei. Der Fuchs erklärte, die Weisen hätten ihm gesagt, das frische Fell eines lebenden Bären sei das einzige Mittel gegen dieses Leiden.

Mit großem Ernst betonte er, das warme Fell werde den Körper des Löwen umhüllen und ihm Heilung schenken. Der kranke Löwe, der um sein Leben fürchtete, stürzte sich ohne einen Augenblick zu verlieren auf den Bären neben sich. Der ränkeschmiedende Bär, der nicht begriff, wie ihm geschah, floh vor Schmerz aus der Höhle, um seine Haut zu retten. Der Bär fiel in seine eigene Falle und bezahlte teuer dafür, einem anderen eine Grube gegraben zu haben. Der schlaue Fuchs aber schmunzelte in sich hinein und verschwand friedlich in den Tiefen des Waldes. Wer einem anderen Böses will, wird am Ende selbst zum Opfer des Unheils, das er bereitet hat. Wer anderen eine Grube gräbt, fällt zuerst selbst hinein.