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Der Kaufmann und seine Frau

Niveau C1 · 371 Wörter

Der Kaufmann und seine Frau

Es war einmal, am Rande eines alten Waldes, wo kühle Wasser flossen, lebte ein reicher und angesehener Kaufmann. In seinem Herrenhaus voller prunkvoller Stoffe und seltener Gewürze führte er ein glückliches Leben mit seiner geschickten Frau, die für ihren Verstand und ihren Scharfblick bekannt war. Der Kaufmann vertraute seinen eifersüchtig gehüteten Reichtum und seine unerschöpflichen Schätze stets der unerschütterlichen Treue seiner Frau an. Eines Tages musste er zu einer langen Handelsreise zu den großen Märkten ferner Länder aufbrechen. Bevor er aufbrach, nahm er die Hände seiner Frau, übergab ihr alle Schlüssel des Herrenhauses und verabschiedete sich mit Gebeten. Ein listiger Rivale, der die Abreise des Kaufmanns aus der Stadt als Gelegenheit sah, schmiedete einen verräterischen Plan, um sich dieses große Vermögen anzueignen.

Er ahmte die Unterschrift des Kaufmanns nach, fertigte einen falschen Brief an und klopfte am späten Nachmittag an die Tür des Herrenhauses. Er baute sich vor der Frau auf und sagte mit selbstsicherer Miene: "Euer Herr hat unterwegs einen großen Verlust erlitten." Der listige Mann zeigte das falsche Dokument in seiner Hand und behauptete, die Truhen voller Gold müssten ihm sofort ausgehändigt werden. Doch die kluge Frau schöpfte Verdacht wegen der aufgeregten Art und der widersprüchlichen Worte des Mannes und durchschaute die Lage sofort. Ohne sich etwas anmerken zu lassen, lächelte sie und bat den Mann herein: "Der Wunsch meines Mannes ist für mich natürlich ein Befehl." Sie mischte einen milden Schlafsirup in das süße Getränk, das sie für ihn zubereitet hatte, und reichte es dem Mann.

Der listige Mann trank im Siegesrausch den Becher bis zum letzten Tropfen aus und fiel bald in einen tiefen Schlaf. Die kluge Frau durchsuchte die Taschen des schlafenden Mannes und fand die Dokumente, die bewiesen, dass er der wahre Dieb war, der das Siegel des Kaufmanns gestohlen hatte. Sie benachrichtigte sofort die Wachen und ließ diesen verleumderischen Mann in den Justizpalast bringen. Einige Wochen später kehrte der Kaufmann von seiner Reise zurück, und als er von dem Mut und dem überlegenen Verstand seiner Frau erfuhr, wurde er von Stolz erfüllt. Dank der Weitsicht seiner treuen Frau war der Reichtum des Herrenhauses gerettet und ein gefährlicher Feind besiegt worden. Von jenem Tag an setzte der Kaufmann sein Leben fort und vervielfachte seine Achtung vor dem Verstand und dem Empfinden seiner Frau. Ein Heim, das von Verstand und Scharfblick geleitet wird, bleibt stets gegen jede Art von Bosheit geschützt. Lügen haben kurze Beine.