Der Kahlkopf und die Fliege
Es war einmal im Schatten duftender Lindenbäume eine hübsche Kleinstadt. In dieser Stadt lebte ein alter Mann, dessen Kopf glatt war und hell glänzte. An einem heißen Sommertag, an dem die Sonne strahlend leuchtete, setzte sich der Mann auf den hölzernen Stuhl in seinem Garten. Mit dem süßen Hauch des kühlen Windes schloss er die Augen und war im Begriff, in einen erholsamen Schlaf zu fallen. Doch in diesem Augenblick begann eine winzige und recht freche Fliege um ihn herumzukreisen. Diese hartnäckige Fliege, die summend flog, setzte sich auf den glatten Scheitel des Mannes und störte ihn.
Der alte Mann rührte sich leicht, wedelte mit der Hand und wollte die Fliege von seinem Kopf vertreiben. Doch die freche Fliege kümmerte sich gar nicht darum und machte den glänzenden Kopf des Mannes erneut zu ihrem Wohnsitz. Mehr noch, sie blieb nicht dabei stehen und biss den kahlen Kopf des Mannes so, dass es ihm wehtat. Der Mann, der zornig aus seinem tiefen Schlaf erwachte, rief: „Du freches Geschöpf, jetzt werde ich dich fangen!“ Er verzog das Gesicht, hob die Hand in die Luft und beschloss, die Fliege in seiner Handfläche zu zerdrücken. Als die Fliege aber den zornigen Zustand des Mannes sah, drehte sie fröhlich noch eine Runde um ihn.
Die Geduld des Mannes war zu Ende, seine Augen füllten sich mit Wut und er lief über vor dem Wunsch nach Rache. Er sammelte all seine Kraft und schlug eine schnelle Ohrfeige genau auf die Stelle, wo die Fliege saß. Doch die schlaue Fliege bemerkte den Augenblick, in dem der Schlag herabkommen würde, und flog blitzschnell in die Luft. Der heftige Schlag des Mannes platzte auf seinem eigenen kahlen Kopf mit einem schrecklichen Ton, der in seinen Ohren klang. Der Mann, dessen Kopf vor Schmerz rot wurde und dem Tränen aus den Augen kamen, war ganz verwirrt. Als er der Fliege nachsah, die fröhlich summend davonflog, verstand der Mann, dass die Strafe, die er gab, nur ihm selbst geschadet hatte. Ein Mensch, der wegen eines kleinen Zorns die Beherrschung verliert, fügt den größten Schaden wieder sich selbst zu. Wer im Zorn aufsteht, setzt sich mit Schaden wieder hin.