Der Kahlkopf und der Gärtner
Es war einmal am Rand eines alten Waldes, in dem kühle Wasser flossen, ein wunderbarer Garten voller bunter Blumen. Der treue Gärtner dieses Gartens bearbeitete jeden Morgen die Erde mit Liebe und beschnitt die Obstbäume mit Geduld. An einem heißen Sommertag kam der Nachbar, der für seinen glänzenden kahlen Kopf bekannt war, zu Besuch in diesen friedlichen Garten. Er setzte sich in den kühlen Schatten der Obstbäume und begann mit Genuss die süßen Früchte zu essen, die der Gärtner frisch gepflückt hatte. Der herrliche Duft der Rosen ringsum und das fröhliche Zwitschern der Vögel gaben dem Ort eine zauberhafte Stimmung. Genau in diesem Augenblick begann eine freche Mücke um den glatten und glänzenden Kopf des kahlen Mannes zu kreisen.
Als die Fliege sich oben auf seinen Kopf setzte und ihn ohne Erbarmen stach, sprang der kahle Mann vor Zorn auf. Jedes Mal, wenn der Mann die Hand hob, floh sie schnell, dann setzte sie sich wieder auf dieselbe Stelle und störte ihn. Von seinem Zorn besiegt, rief der kahle Mann: „Du freches kleines Geschöpf, ich werde dir eine Lektion erteilen!“ Der Gärtner beobachtete den übermäßigen Zorn des Mannes mit Erstaunen und näherte sich ihm ruhig. „Mein Freund, tu dir wegen einer kleinen Fliege nicht so viel Schaden an“, sagte er und warnte ihn. Doch der Mann, dessen Augen nichts als die eigene Wut sahen, hörte überhaupt nicht auf die weisen Worte des Gärtners.
In dem Augenblick, als die Fliege sich genau oben auf seinen Kopf setzte, schlug der Mann mit aller Kraft heftig auf den eigenen Kopf. Durch die Wucht des dröhnenden Schlages wurde der kahle Kopf des Mannes ganz rot und tat ihm schrecklich weh. Die schlaue Fliege aber stieg mit einem winzigen Flügelschlag in die Luft und lächelte über den erbärmlichen Zustand des Mannes. Der Mann, der sich mit der eigenen Hand bestraft hatte, hielt seinen Kopf und sank vor Scham zu Boden. Der alte Gärtner kam lächelnd neben den Mann und legte ihm freundlich die Hand auf die Schulter. Endlich verstand der Mann, wie sehr es einen Menschen in einen viel größeren Schaden bringt, auf einen kleinen Schmerz mit Zorn zu antworten. Der zornige Mensch, der ohne Nachdenken handelt, schadet sich selbst, bevor er seinem Feind schadet. Der Zorn schadet dem Zornigen am meisten.