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Der Hund, der seinen Herrn um einen Knochen bat

Niveau C2 · 404 Wörter

Der Hund, der seinen Herrn um einen Knochen bat

Vor langer Zeit lebten in einer hölzernen Hütte am Rand eines alten Waldes, in dem kühle Wasser flossen, ein alter Jäger und sein treuer Hund. Dieser furchtlose Hund bewachte die Hütte Tag und Nacht und stürzte sich auf ein einziges Zeichen seines Herrn hin in die tiefen Wälder. An einem kalten Abend, an dem die Herbstwinde die gelben Blätter verwehten, hatte der Jäger sich in seiner Hütte eine üppige Tafel gedeckt. Während das fröhliche Knistern des Herdes den Raum wärmte, verbreitete sich der köstliche Duft der gebratenen Fleischstücke in Wellen bis in jede Ecke der Hütte. Der Hund, der überaus hungrig geworden war, konnte seine verzauberten Augen keinen Augenblick von dem großen und fleischigen Knochen auf der Tafel abwenden. Leise näherte er sich dem Knie seines Herrn und begann, ihm mit traurigen Blicken in die Augen zu schauen.

Er beugte seine Vorderbeine ein wenig, legte sie auf das Knie seines Herrn und gab liebliche Laute voller Dankbarkeit von sich. Der weise Jäger musterte lächelnd das anmutige Gebaren seines Hundes, während er die schmackhaften Bissen auf seinem Teller mit großem Appetit verzehrte. Der treue Freund wedelte unablässig mit rhythmischer Freude mit dem Schwanz, um die Aufmerksamkeit seines Herrn zu gewinnen. Er murmelte, als wollte er sagen: "Mein Herr, den ganzen Tag habe ich treu an deiner Tür Wache gehalten und dem eisigen Wind ohne jede Klage getrotzt." Der alte Jäger konnte gegenüber dieser beharrlichen und ehrerbietigen Bitte seines altgedienten Freundes nicht länger gleichgültig bleiben. Nachdem er den schmackhaftesten Teil des Fleisches auf seinem Teller gegessen hatte, hob er den großen Knochen in die Luft, an dem noch köstliche Fleischstücke hafteten.

"Dein Dienst über so viele Jahre und deine unerschütterliche Ergebenheit werden gewiss nicht unbelohnt bleiben", sagte er und blickte seinen Hund liebevoll an. Mit dem zärtlichen Lächeln auf seinem Gesicht legte der Jäger jenen reichen Knochen liebevoll vor den Hund. Das treue Tier bellte angesichts dieser erhabenen Gabe seines Herrn vor Freude und verneigte sich ehrerbietig bis zum Boden. Es schnappte sich den Knochen, zog sich in seine warme Ecke neben dem Herd zurück und begann, ihn mit großem Genuss zu kauen. Während die warme Hand seines Herrn seinen Kopf streichelte, empfand es den Frieden, den Lohn für die gezeigte Treue und gute Erziehung zu erhalten. Nach jener glücklichen Nacht hielt der treue Hund es für die größte Tugend, seinem Herrn mit Ehrerbietung zu dienen. Der alte Diener, der seine Mühe und seine Treue mit sanften Worten darbietet, wird der großzügigen Gabe, die ihm zusteht, niemals beraubt. Sanfte Worte locken sogar die Schlange aus ihrem Loch.