Der Hirte und der Wolf
Ein Wolf ging monatelang hinter der Herde eines Hirten her, griff die Schafe aber nie an. Von Zeit zu Zeit sammelte der Wolf Lämmer auf, die sich von der Herde trennten, brachte sie dem Hirten und gewann das Vertrauen des Hirten. Der Hirte fiel auf die friedfertigen Manieren des Wolfs herein, sagte: "Dieser Wolf ist jetzt unser Beschützer geworden", vertraute die Herde dem Wolf an und ging in die Stadt. Sobald der Hirte weg war, stürzte sich der Wolf, der die Gelegenheit nutzte, auf die Herde und zerriss alle Schafe.
Bei der Rückkehr, als er die Szene des Schlachtens vorfand, weinte der Hirte und sagte: "Ach mein Verstand! Einem Wolf Schafe anzuvertrauen ist was für ein Verstand!" Es ist ein Unheil, auf die falsche Friedfertigkeit von Personen einzugehen, die Raubgier und Feindschaft in ihrer Natur haben, und ihnen wertvolle Dinge anzuvertrauen. Der Feind wird nie zum Freund; er wartet nur auf die richtige Gelegenheit und Zeit. Sicherheit und Pflicht einem unerbittlichen Feind zu übergeben bedeutet, den Ruin mit eigener Hand herbeizuführen.
Man sollte der falschen Freundschaft des Feindes nicht vertrauen und kein Anvertrautes übergeben. Einem Wolf werden keine Schafe anvertraut. Falsche Friedfertigkeit wartet auf eine Gelegenheit. Ein natürlicher Feind wird kein Freund.
Sicherheit dem Feind zu übergeben ist Unheil. Späte Reue nützt nichts. Wachsam zu bleiben schützt.