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Der Hahn und der Fuchs

Niveau B2 · 355 Wörter

Der Hahn und der Fuchs

Es war einmal, in den Obstgärten jenseits der sattgrünen Täler, da lebte ein stattlicher Hahn. Jeden Morgen, wenn die Sonne aufging, weckte dieser Hahn mit seinen Rufen alle Bewohner des Waldes fröhlich auf. Ein schlauer Fuchs aber, der in den verborgenen Winkeln des Waldes lebte, war seit langem hinter diesem Vogel her. Jeden Tag versteckte sich der schlaue Fuchs hinter den Bäumen und wartete geduldig auf einen unachtsamen Augenblick des Hahns. Selbst an Tagen, an denen der Wind sanft wehte, gab er es niemals auf, auf eine Gelegenheit zu lauern, um seine Beute zu fangen. An einem milden Herbstmorgen war der stolze Hahn damit beschäftigt, auf einem niedrigen Zaun nach Körnern zu suchen.

Der Fuchs, der plötzlich aus dem Gebüsch hervorsprang, nahm den Hahn mit einer flinken Bewegung zwischen seine scharfen Zähne. Der Hahn zappelte voller Todesangst, doch während er im Maul des Fuchses geschleift wurde, entwarf er sogleich einen Plan zur Rettung. Genau in diesem Augenblick begannen die Dorfbewohner in der Nähe, mit Stöcken in den Händen hinter dem Fuchs herzulaufen und zu schreien. Der Hahn beugte sich zum Ohr des Fuchses und flüsterte mit ruhiger und überzeugender Stimme. „Hör mir zu, mein Freund, diese Dorfbewohner schreien nur deshalb hinter uns her, weil sie dich um deine Beute beneiden.“ „Dreh dich um und rufe ihnen zu, dass dieser Hahn jetzt dir gehört und dass sie sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern sollen!“

Dem Fuchs gefiel dieser klug scheinende Einfall des Hahns sehr gut, und er wurde von Hochmut erfüllt. In dem Augenblick, in dem der schlaue Fuchs sein Maul weit öffnete, um den Dorfbewohnern zuzurufen, nutzte der Hahn die Gelegenheit sofort. Der Hahn glitt aus dem Maul, schlug schnell mit den Flügeln und setzte sich auf den Ast einer hohen Platane in der Nähe. Während der Fuchs seinen großen Fehler begriff und voller Reue nach oben blickte, begann der Hahn auf dem sicheren Ast fröhlich zu krähen. Der kluge Vogel, der seinen Verstand und seinen Mut gebraucht hatte, hatte den schlauen Fuchs besiegt, der ihn jagen wollte. Der Fuchs aber musste sich mit leerem Magen und beschämtem Gesicht still in die Tiefen des Waldes zurückziehen. Wer in schwierigen Lagen ruhig bleibt und seinen Verstand gebraucht, entkommt selbst den größten Gefahren mit Leichtigkeit. Späte Reue nützt nichts.